Erstes Medikament gegen eine seltene Hirnkrankheit erhält FDA-Zulassung
Für Menschen mit Alexander-Krankheit, einer seltenen und tödlichen neurologischen Erkrankung, gibt es nun eine Behandlungsoption. Die FDA hat Zanvastro zugelassen, nachdem eine klinische Studie gezeigt hatte, dass behandelte Patienten ihre Gehfähigkeit behielten, während sie in der Kontrollgruppe deutlich abnahm.
Die Alexander-Krankheit schädigt das Myelin, die Schutzschicht um die Nervenfasern. Fehlt diese Isolierung, wird die Signalübertragung zwischen Neuronen zunehmend gestört. Die Erkrankung beginnt häufig im Kindesalter und führt zu einem fortschreitenden Abbau motorischer und kognitiver Fähigkeiten. Eine Therapie, die den Krankheitsverlauf beeinflusst, gab es bislang nicht.
Zanvastro, entwickelt von Ionis Pharmaceuticals, ist ein antisense Oligonukleotid: ein kurzer, synthetischer Strang aus genetischem Material, der darauf ausgelegt ist, die Produktion eines schädlichen Proteins im Gehirn zu blockieren. Die Forscher stellten in der zentralen Zulassungsstudie fest, dass die Gehgeschwindigkeit, ein Standardmaß für die motorische Funktion, bei behandelten Patienten stabil blieb, während sie in der Kontrollgruppe um 33 % abnahm. Bei kleinen Kindern gab es Hinweise, dass das Medikament die motorische Funktion nicht nur stabilisierte, sondern möglicherweise sogar verbesserte.
Wie die Antisense-Therapie funktioniert
Antisense-Oligonukleotide binden an bestimmte RNA-Moleküle in der Zelle und blockieren so die Herstellung eines Zielproteins. Bei der Alexander-Krankheit führen Mutationen im Gen des Proteins GFAP dazu, dass es sich in Astrozyten des Gehirns in toxischen Mengen ansammelt. Indem das Medikament die GFAP-Produktion drosselt, verlangsamt es die Schädigung des Hirngewebes. Ionis setzt dieselbe Plattform bereits bei anderen neurologischen Erkrankungen ein.
Für die Longevity-Forschung ist diese Zulassung weniger unmittelbar bedeutsam, zeigt aber, dass gezieltes Gen-Silencing bei seltenen Hirnkrankheiten sowohl machbar als auch sicher sein kann. Solche Plattformen könnten künftig auch bei häufigeren neurodegenerativen Erkrankungen zum Einsatz kommen.
Sicherheit und Einschränkungen
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten in der Kontrollgruppe häufiger auf als bei den behandelten Patienten, was auf ein günstiges Sicherheitsprofil hindeutet. Die Studie umfasste naturgemäß nur wenige Teilnehmer, wie es bei seltenen Erkrankungen unvermeidlich ist; Langzeitdaten fehlen noch.
Suchbegriffe zum Weiterlesen: antisense oligonucleotide neurodegeneration, GFAP mutation myelin disease, RNA silencing brain disease therapy