Filmschauen zeigt die Gedächtnisleistung besser als Ruhe im Scanner
Was das Gehirn im Ruhezustand verrät, ist weniger aussagekräftig als bisher angenommen. Wissenschaftler stellten fest, dass die Hirnaktivität beim Filmschauen die Gedächtnisleistung einer Person weit zuverlässiger vorhersagt.
Forscher verglichen drei Bedingungen: Ruhe im Scanner (regungsloses Liegen im Gerät), Filmschauen und das Bearbeiten einer Gedächtnisaufgabe. Mithilfe von Deep Learning erstellten sie Vorhersagen darüber, wie gut einzelne Personen beim episodischen Gedächtnis (der Fähigkeit, konkrete Erlebnisse abzurufen) und beim Arbeitsgedächtnis (dem kurzzeitigen Behalten von Informationen während einer Aufgabe) abschneiden würden.
Filmschauen schlägt Ruhe- und Aufgabenbedingung
Die Forscher, die in eLife publizierten, stellten fest, dass das funktionelle Konnektom – also das Muster der Hirnverbindungen – während des Filmschauens individuelle kognitive Unterschiede in allen untersuchten Bereichen am zuverlässigsten vorhersagte. Das Konnektom im Ruhezustand war ebenfalls aussagekräftig, jedoch nur für das episodische Gedächtnis.
Das hat Konsequenzen für die Forschungsmethodik. Ein Großteil der Hirnbildgebungsstudien misst Hirnaktivität im Ruhezustand, weil sich dieser leicht standardisieren lässt. Wenn Filmschauen einen reichhaltigeren Gehirnzustand erzeugt, der bessere Rückschlüsse auf kognitive Kapazitäten erlaubt, könnte das den Standardansatz in der Hirnforschung verschieben. Ob sich daraus auch bessere klinische Diagnoseverfahren ergeben, ist noch offen.
Zusammenhang mit körperlicher Gesundheit und dem Altern
Dieselbe Studie (siehe auch den Artikel über Dopamin und den Zusammenhang zwischen Gehirn und Kognition) zeigt, dass Menschen, deren Gehirn die eigene Leistung unterschätzt, körperlich weniger aktiv sind und höhere Risikowerte für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen. Das macht den Befund für die Altersforschung relevant: Der Gehirnzustand während kognitiver Aktivität könnte Gesundheitsrisiken sichtbar machen, die eine Messung im Ruhezustand nicht erfasst.
Die Studie wurde an einer gesunden Bevölkerung ohne kognitive Beschwerden durchgeführt. Ob die Ergebnisse auf ältere Menschen oder Personen mit kognitiven Einschränkungen übertragbar sind, wurde nicht untersucht. Bevor klinische Schlussfolgerungen gezogen werden können, braucht es eine breitere Überprüfung der Methode.
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