Hirnzellen schützen Myelin und bremsen kognitiven Abbau
Manche Gehirne bleiben bis ins hohe Alter scharf, andere bauen früh ab. Eine neue Studie legt nahe, dass eine bestimmte Hirnzelle dabei eine größere Rolle spielt als bisher gedacht.
Oligodendrozyten sind Zellen der weißen Hirnsubstanz. Sie produzieren Myelin, die isolierende Schicht um Nervenfasern, die elektrische Signale schnell weiterleitet. Bisher gingen Forschende davon aus, dass kognitiver Abbau im Alter vor allem mit schwindendem Myelin zusammenhängt. Die Wirklichkeit erweist sich als komplizierter.
Dickeres Myelin, aber trotzdem schlechtere Funktion
Die Forschenden, die in der Zeitschrift Nature Medicine publizierten, analysierten Hirngewebe von Menschen, deren kognitive Entwicklung ein Leben lang begleitet worden war. Sie stellten fest, dass Menschen mit rascherem kognitivem Abbau ausgerechnet dickere Myelinschichten aufwiesen. Gleichzeitig hatten sie kleinere myelinisierte Nervenfasern und mehr Oligodendrozyten. Dieses Muster deutete nicht auf einen Verlust von Myelin hin, sondern auf eine Störung in den Zellen selbst.
Im Mittelpunkt steht der NRF2-Signalweg – ein schützendes Protein in Zellen, das oxidativem Stress entgegenwirkt. Bei Menschen mit schnellerem Abbau war dieser Signalweg in den Oligodendrozyten weniger aktiv. Um diesen Zusammenhang zu überprüfen, erzeugten die Forschenden Mäuse, bei denen das NRF2-Gen ausschließlich in Oligodendrozyten ausgeschaltet war. Diese Tiere zeigten mit zunehmendem Alter geringere kognitive Verbesserungen. Außerdem wiesen sie jene Veränderungen der weißen Substanz auf, die man auch beim kognitiven Abbau beim Menschen beobachtet.