Erhöht eine chronische Hepatitis-B- oder -C-Infektion das Risiko für Leberkrebs?
Ja, eine chronische Hepatitis-B- oder -C-Infektion erhöht das Leberkrebsrisiko stark und nachweislich ursächlich. Lass dich testen und behandeln, wenn du das Virus trägst, und frag deinen Arzt nach regelmäßigen Kontrolluntersuchungen.
Sowohl eine chronische Hepatitis-B- als auch eine Hepatitis-C-Infektion erhöhen das Leberkrebsrisiko erheblich. Hepatitis B steigert es um den Faktor 12,5, Hepatitis C um den Faktor 11,2 – jeweils im Vergleich zu nicht infizierten Menschen. Zusammen sind diese beiden Viren für den Großteil aller Leberkrebsfälle weltweit verantwortlich; allein auf Hepatitis B entfallen rund 55 Prozent.
Bei Hepatitis B spielt die Viruslast im Blut eine entscheidende Rolle. Wer eine sehr hohe Viruslast hat, trägt über einen Zeitraum von gut elf Jahren ein Leberkrebsrisiko von knapp 15 Prozent – bei niedrigem Virusspiegel sind es lediglich 1,3 Prozent. Dieser Zusammenhang gilt unabhängig von anderen Faktoren wie Rauchen, Alkohol oder Leberzirrhose. Hepatitis B ist zudem besonders, weil das Virus sein Erbmaterial direkt in Leberzellen einbauen kann und so auch ohne Zirrhose Krebs auslösen kann. Liegt Hepatitis B zusammen mit einer Zirrhose vor, steigt das jährliche Risiko auf bis zu 3,7 Prozent bei Asiaten und 2,2 Prozent bei Europäern.
Eine Behandlung hilft, löst das Problem aber nicht vollständig. Eine antivirale Therapie bei Hepatitis B mit Zirrhose senkt die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von zehn Jahren an Leberkrebs zu erkranken, von über 37 Prozent auf rund 23 Prozent – eine Reduktion von fast 60 Prozent. Das Restrisiko bleibt dennoch bestehen: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen auf Leberkrebs sind für alle Menschen mit Hepatitis B und Zirrhose weiterhin notwendig, auch nach einer erfolgreichen Behandlung. Bei Hepatitis C eröffnen moderne antivirale Medikamente inzwischen die Aussicht auf eine deutliche Risikosenkung, wenngleich dafür in den verwendeten Quellen weniger quantitative Belege vorliegen.
Den besten Schutz vor Hepatitis-B-bedingtem Leberkrebs bietet die Impfung. Taiwan hat gezeigt, dass eine bevölkerungsweite Impfkampagne die Zahl der Leberkrebsfälle bei jungen Menschen tatsächlich zurückgedrängt hat. Wer bereits infiziert ist und zusätzlich Hepatitis C trägt oder erhöhte Konzentrationen des Hepatitis-B-Oberflächenproteins im Blut aufweist, hat ein noch höheres Risiko als bei einer Einzelinfektion.
Alle Aussagen stützen sich auf mehrere PMIDs, darunter große Kohortenstudien, Metaanalysen und Leitliniendokumente (PMID 39834076, 27742009, 21563647, 16391218, 32129773). Der kausale Zusammenhang zwischen HBV bzw. HCV und HCC gilt in der Fachliteratur als gesichert.