Hilft weniger essen dabei, länger zu leben?
Bei Versuchstieren ist der Effekt auf die Lebensdauer gut belegt, bei gesunden Menschen fehlt jedoch ein direkter Beweis. Ein maßvolles und dauerhaft umsetzbares Essmuster ist klüger als extreme Restriktion; besprich größere Änderungen deiner Ernährung mit einer Ernährungsfachkraft oder einem Arzt.
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In Versuchstieren ist der Effekt von Kalorienreduktion auf die Lebensdauer gut belegt. Bei Mäusen verlängert eine Reduktion um 40 % die durchschnittliche Lebensdauer um 10 bis 40 %. Dasselbe Muster zeigt sich bei Hefezellen, Würmern und Fliegen. Doch der menschliche Körper ist keine Maus, und genau bei dieser Übertragung beginnt die Unsicherheit.
Bei gesunden Menschen ist der direkte Einfluss auf die Lebensdauer noch nicht gemessen worden. Was sich messen ließ: In einer randomisierten Studie, bei der Menschen zwei Jahre lang rund 14 % weniger aßen, verbesserte sich die Neubildung von Immunzellen und altersbedingte Entzündungswerte sanken. Das sind vielversprechende Zwischenergebnisse, aber kein Beweis dafür, dass man dadurch tatsächlich länger lebt. Bei Menschen mit Adipositas und Diabetes zeigte eine randomisierte Untersuchung eine um 15 % niedrigere Sterblichkeit bei Kalorienreduktion. Ob das auch für gesunde Menschen gilt, ist unbekannt.
Nicht nur wie viel du isst, sondern auch wann du isst, scheint eine Rolle zu spielen. Essmuster, die auf die biologische Uhr abgestimmt sind, sowie verschiedene Formen des intermittierenden Fastens, bei denen du einen Teil des Tages oder der Woche nichts zu dir nimmst, bringen gesundheitliche Vorteile, selbst wenn die Gesamtkalorienzufuhr nicht sinkt. Die Evidenz dazu ist vielversprechend, bei Menschen aber noch begrenzt. Auffällig ist außerdem: Nicht alle Kalorien sind gleich. Weniger Protein in der Ernährung, insbesondere weniger von der Aminosäure Methionin, verlängert die Lebensdauer bei Versuchstieren. Beim Menschen sind die Hinweise auf diesen Effekt indirekt.
Ein zentraler Mechanismus hinter den positiven Effekten ist die Autophagie: der Prozess, bei dem Zellen beschädigtes Material abbauen und recyceln. Weniger essen aktiviert diesen Prozess. Doch zu weit zu gehen birgt Risiken: Bei langanhaltender und sehr strenger Kalorienreduktion kann dieser Reinigungsprozess überschießen und Zellen schädigen. Bei Tieren verursachte eine Kalorienreduktion um 40 % außerdem Nachteile für Wachstum, Fortpflanzung und Immunabwehr. Die Grenze zwischen nützlich und schädlich ist beim Menschen noch nicht präzise bestimmt.
Die Aussagen stützen sich auf 3 Reviews bzw. Metaanalysen sowie mehrere experimentelle und randomisierte Studien. Für die Lebensdauer beim Menschen liegen keine direkten RCT-Daten vor; die humanen Studien messen Zwischenergebnisse wie Immunfunktion, Entzündungsmarker und Sterblichkeit in einer spezifischen Patientengruppe.