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Ist Retatrutid wirksamer als Ozempic?

Unsicher · Mäßige Evidenz

Indirekte Vergleiche deuten darauf hin, dass Retatrutid zu einem stärkeren Gewichtsverlust führt als Semaglutid – ohne direkte Head-to-Head-Studie und ohne Zulassung ist es jedoch zu früh, das als gesichert zu betrachten.

Die vollständige Antwort

In einer Netzwerk-Metaanalyse von 27 randomisierten Studien erzielte Retatrutid 12 mg das stärkste Gewichtsverlust-Ergebnis aller verglichenen Wirkstoffe: Im Schnitt nahmen die Teilnehmenden 22,1 % ihres Körpergewichts ab, und ihr Taillenumfang sank um 17,0 cm gegenüber Placebo. In der im NEJM veröffentlichten Phase-2-Studie betrug die mittlere Gewichtsabnahme nach 48 Wochen sogar 24,2 % – verglichen mit 2,1 % unter Placebo. Retatrutid 8 mg lag mit 22,8 % Gewichtsreduktion in derselben Phase-2-Studie dicht dahinter.

Semaglutid 2,4 mg (der Wirkstoff in Ozempic und Wegovy) schnitt in eben dieser Netzwerk-Metaanalyse schlechter ab als beide Retatrutid-Dosierungen und auch schlechter als Tirzepatid. Wichtig dabei: Das ist ein indirekter Vergleich. Eine direkte Head-to-Head-Studie, in der Retatrutid und Semaglutid im selben Trial gegeneinander getestet wurden, gibt es bislang nicht. Solche indirekten Vergleiche sind grundsätzlich weniger belastbar als direkte klinische Studien.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes verschiebt sich das Bild etwas. Tirzepatid schnitt bei der Senkung des Blutzuckers (HbA1c und Nüchternglukose) besser ab, während Retatrutid erneut den größten Gewichtsverlust bewirkte. Generell nahmen Menschen ohne Diabetes unter Retatrutid mehr ab als solche mit Diabetes.

Als Nebenwirkungen wurden am häufigsten Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit gemeldet. Sie hängen von der Dosis ab und fallen überwiegend mild bis moderat aus. Vorübergehend stieg die Herzfrequenz an, normalisierte sich jedoch nach 24 Wochen wieder. Schwerwiegende Nebenwirkungen oder Hypoglykämien traten nicht häufiger auf als in der Vergleichsgruppe.

Retatrutid ist noch nicht zugelassen. Die großen Phase-3-Studien des sogenannten TRIUMPH-Programms mit mehr als 5.800 geplanten Teilnehmenden sind noch nicht abgeschlossen. Bis diese Ergebnisse vorliegen, stützt sich die Evidenz zur Wirksamkeit und Langzeitsicherheit ausschließlich auf Phase-2-Daten.

Die Belege
5 Studien · 2 Meta-Analysen · ≈ 5.800 Teilnehmer

Grundlage sind eine Netzwerk-Metaanalyse von 27 RCTs (PMID 39305981), die im NEJM publizierte Phase-2-Studie (PMID 37366315), eine Netzwerk-Metaanalyse bei Typ-2-Diabetes (PMID 40471293) sowie eine frühe Expertenanalyse (PMID 37086147). Eine direkte Head-to-Head-RCT zwischen Retatrutid und Semaglutid existiert nicht. Phase-3-Ergebnisse (PMID 41090431) stehen noch aus.

Zuletzt überprüft: Juni 2026
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