Hilft Kreatin gegen Muskelverlust bei GLP-1-Medikamenten wie Ozempic?
Ob Kreatin beim Muskelerhalt unter GLP-1-Medikamenten wirklich hilft, weiß niemand – denn das wurde bislang noch nie direkt untersucht. Krafttraining und ausreichend Protein sind derzeit die einzigen Ansätze mit einer nennenswerten Evidenzbasis.
Bis zu 40 % des Gewichts, das du mit GLP-1-Medikamenten wie Semaglutid verlierst, kann aus fettfreier Masse bestehen – also nicht nur aus Muskelgewebe, sondern auch aus Wasser und Organgewebe. Wer verhältnismäßig viel Muskelmasse abbaut, riskiert auf Dauer einen langsameren Stoffwechsel und weniger Kraft.
Kreatin wird in diesem Zusammenhang gelegentlich als schützendes Nahrungsergänzungsmittel ins Spiel gebracht. Dafür fehlt jedoch jeder direkte Nachweis: Es gibt keine einzige Studie an Menschen, die gleichzeitig GLP-1-Medikamente und Kreatin eingenommen haben. Die Überlegung stützt sich darauf, was Kreatin in anderen Situationen bewirkt.
In einem vergleichbaren Szenario mit erzwungenem Muskelverlust, der Hormontherapie bei Prostatakrebs, zeigte eine Auswertung mehrerer kleiner Studien immerhin einen Trend zu mehr Muskelmasse durch Kreatinsupplementierung. Statistisch eindeutig war dieser Trend allerdings nicht.
Krafttraining und eine ausreichende Proteinzufuhr sind die erste und wirksamste Maßnahme beim Einsatz von GLP-1-Medikamenten. Die allgemeine Evidenzbasis für beide Ansätze ist deutlich stärker als die für Kreatin. Wer Kreatin in Betracht zieht, sollte es als Ergänzung zu Bewegung und ausreichend Protein einsetzen, nicht als Ersatz dafür.
Alle Aussagen stammen aus zwei Quellen: PMID 40401903 (zu GLP-1-Medikamenten und fettfreier Masse, einschließlich der Einschätzung von Kreatin als theoretischem Ansatz) und PMID 41703670 (systematische Übersichtsarbeit zu randomisierten kontrollierten Studien bei Hormontherapie wegen Prostatakrebs). Es existieren keine Studien an GLP-1-Anwendern, die Kreatin untersucht haben.