Kann ein Vitamin-D-Mangel deinen Hormonhaushalt durcheinanderbringen?
Vitamin-D-Mangel bringt den Hormonhaushalt durcheinander, vor allem durch den Anstieg des Parathormons PTH, mit spürbaren Folgen für Knochen, Muskeln und möglicherweise das Herz. Auf Geschlechtshormone wie Testosteron scheint der Einfluss gering zu sein, doch die Datenlage reicht für sichere Aussagen noch nicht aus.
Vitamin D ist in seiner aktiven Form selbst ein Steroidhormon und reguliert Hunderte von Genen, darunter viele, die das Immunsystem steuern. Der wichtigste hormonelle Effekt eines Mangels ist der Wegfall der Bremswirkung auf das Parathormon (PTH). Normalerweise hält Vitamin D die PTH-Produktion in Schach; fehlt diese Kontrolle, steigt der PTH-Spiegel an, was den Kalzium- und Phosphathaushalt aus dem Gleichgewicht bringt und zu Bluthochdruck sowie Nierenschäden beitragen kann. Dieser Zusammenhang gilt als gut belegt und ursächlich.
Der erhöhte PTH-Spiegel greift außerdem direkt in den Knochenstoffwechsel ein. Weniger Vitamin D bedeutet weniger Kalziumaufnahme im Darm, mehr PTH und schließlich beschleunigten Knochenabbau. Dieser Mechanismus ist als anerkannte Ursache von Osteoporose etabliert. Vitamin-D-Mangel begünstigt zudem den Verlust von Muskelkraft und spielt damit beim altersbedingten Muskelabbau eine Rolle. Ergänzend zum Krafttraining wird in diesem Zusammenhang eine Supplementierung empfohlen, wenngleich ihr Effekt auf die Muskelkraft deutlich geringer ausfällt als der von Testosteron.
Bei Geschlechtshormonen wie Testosteron oder Östrogen ist die Datenlage weit weniger eindeutig. In einer kleinen Studie mit vierzig Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) führte eine tägliche Supplementierung von 3200 IE über drei Monate weder zu messbaren Veränderungen beim Testosteron noch beim SHBG, dem Transporteiweiß für Geschlechtshormone im Blut. Die Insulinresistenz verbesserte sich leicht, hormonelle Effekte blieben jedoch aus. Ein spektakulärer Einfluss auf Geschlechtshormone ist nach aktuellem Stand nicht zu erwarten.
Vitamin-D-Mangel wurde in mehreren Studien außerdem mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht, wiederum über den beschriebenen PTH-Anstieg. Ob dieser Zusammenhang tatsächlich ursächlich ist, bleibt bisher unklar, da dazu kontrollierte Langzeitstudien fehlen. Eine tägliche Supplementierung senkt die Häufigkeit von Atemwegsinfekten der oberen Atemwege zwar moderat, aber messbar, was gut zur Rolle von Vitamin D als Regulator von Immunabwehr-Genen passt.
Grundlage: PMID 27065162, 32704098, 27881060, 16322775, 30658483, 35798564, 35570598. PTH/Osteoporose: starke Evidenz; Muskelkraft und Atemwegsinfekte: mäßige Evidenz; Geschlechtshormone: begrenzte Evidenz (n=40, eine RCT). Herz-Kreislauf: mäßige Evidenz, Kausalität unsicher.