Kann man seine Telomere durch den Lebensstil verlängern?
Lebensstil kann die Telomerverkürzung wahrscheinlich nicht vollständig umkehren, doch Rauchen aufzuhören, gesunde Ernährung und Bewegung gehen konsistent mit einem günstigeren Telomerprofil und einem geringeren Krankheitsrisiko einher, auch bei Menschen mit kurzen Telomeren.
Telomere sind die Schutzkappen an den Enden deiner Chromosomen. Sie verkürzen sich auf natürliche Weise, wenn sich Zellen teilen und du älter wirst. Kürzere Telomere hängen mit einem leicht erhöhten allgemeinen Sterberisiko zusammen (grob 8 % pro Verkürzungsschritt) sowie mit deutlich höheren Risiken für Atemwegserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparats. Auch Schlaganfall, Demenz und Fettleber treten bei kürzeren Telomeren häufiger auf, wobei noch nicht belegt ist, dass die Telomerverkürzung tatsächlich deren Ursache ist.
Rauchen ist der Lebensstilfaktor mit der stärksten Evidenz für kürzere Telomere. Auch übermäßiger Alkoholkonsum geht mit geringerer Telomerlänge einher. Es handelt sich dabei um Assoziationen aus großen Bevölkerungsstudien, doch die Zusammenhänge sind konsistent genug, um ihnen Gewicht beizumessen. Rauchen aufzuhören ist daher der konkreteste Schritt, den du auf Basis dieser Forschungslage gehen kannst.
Für gesunde Ernährung und Bewegung ist die Datenlage weniger eindeutig. Eine mediterrane Ernährung, Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Nüsse und Kaffee hängen mit etwas längeren Telomeren zusammen, doch es handelt sich um Beobachtungsstudien, bei denen andere Faktoren eine Rolle spielen können. Körperliche Aktivität wird ebenfalls mit der Telomerlänge in Verbindung gebracht, die Evidenz dafür ist jedoch indirekt und begrenzt. Man kann also nicht sagen, dass deine Telomere nachweislich länger werden, wenn du mehr Sport treibst oder dich gesünder ernährst, wohl aber, dass diese Gewohnheiten mit einem günstigeren Telomerprofil einhergehen.
Ein großer Teil deiner Telomerlänge ist bereits bei der Geburt festgelegt. Genetische Veranlagung, Geschlecht und sogar das Alter deiner Mutter zum Zeitpunkt deiner Geburt spielen dabei eine Rolle. Das bedeutet, dass Lebensstileinflüsse immer vor einem genetischen Hintergrund wirken, den du nicht verändern kannst.
Ein Befund sticht besonders heraus: Menschen mit von Natur aus kürzeren Telomeren, aber einem gesunden Lebensstil zeigten im höheren Alter kein signifikant erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Demenz oder Depression. Das legt nahe, dass ein günstiger Lebensstil den Nachteil kürzerer Telomere ausgleichen kann, auch wenn die Telomere selbst dadurch vielleicht nicht messbar länger werden. Die praktische Bedeutung geht damit weit über die bloße Telomerlänge als Zahlenwert hinaus.
Alle Aussagen beruhen auf Beobachtungs- und Assoziationsstudien. Es gibt keine randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die belegen, dass eine bestimmte Lebensstiländerung Telomere nachweislich verlängert. Mendelsche Randomisierung fand keine Evidenz für Kausalität zwischen Telomerlänge und Hirnerkrankungen.