Können Probiotika deine Gesundheit im höheren Alter verbessern?
Probiotika können bei älteren Menschen spezifische Vorteile bieten, etwa eine bessere Immunantwort und weniger Verstopfung. Welcher Stamm, welche Dosierung und welche Person davon profitiert, ist jedoch noch nicht genau bekannt. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn du chronische Beschwerden hast, die dazu passen könnten.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Zusammensetzung deiner Darmbakterien: Die Vielfalt nimmt ab, und Bakterien, die schädliche Abbauprodukte bilden, verdrängen jene, die Ballaststoffe in gesundheitsfördernde Stoffe umwandeln. Dieses Muster hängt mit einer schwelenden, chronischen Niedriggradigen Entzündung im Körper zusammen, die wiederum zu Erkrankungen wie Muskelschwund, Krebs und Hirnproblemen beiträgt. Mehrere Reviews bestätigen diesen Zusammenhang, auch wenn noch nicht vollständig geklärt ist, was genau Ursache und was Folge ist.
Probiotika scheinen die Immunantwort bei älteren Menschen zu verbessern. Reviews berichten unter anderem von einem verstärkenden Effekt auf die Reaktion bei Grippeimpfungen. Die Übertragung in die Praxis ist jedoch schwierig: Welche Bakterienstämme für wen am besten geeignet sind und wie lange man sie einnehmen sollte, ist noch nicht gut belegt. Bei Verstopfung, einem häufigen Problem im höheren Alter, ist die Datenlage etwas konkreter: Sowohl Probiotika als auch Präbiotika scheinen die Darmbewegung zu verbessern, vermutlich über Hormone und kurzkettige Fettsäuren.
Eine systematische Review von acht randomisierten Studien ergab, dass Probiotika, Präbiotika oder eine Kombination davon den Calciumspiegel im Blut um durchschnittlich 0,52 mg/dl erhöhten. Auf die Knochendichte selbst wurde kein Effekt beobachtet, und auch andere Knochenmarker veränderten sich nicht. Ob der höhere Calciumspiegel langfristig etwas für das Knochenbruchrisiko bedeutet, ist unbekannt.
Eine kleine doppelblinde Studie mit 63 gesunden Menschen ab 65 Jahren zeigte, dass zwölf Wochen Probiotika-Einnahme die kognitive Flexibilität verbesserten und Stress im Vergleich zu Placebo reduzierten. Zudem stieg ein Protein, das an Lernen und Gedächtnisbildung beteiligt ist, in der Probiotika-Gruppe signifikant an. Es handelt sich dabei um vorläufige Befunde aus einer einzigen Studie, die in größeren Gruppen bestätigt werden müssen.
Zu direkten Auswirkungen auf die Lebenserwartung gibt es keinerlei menschliche Evidenz. Die Überlegung, dass Probiotika über eine Entzündungshemmung das Leben verlängern könnten, ist rein theoretisch. Und was die Muskelmasse betrifft: Tierstudien sind vielversprechend, doch beim Menschen gibt es bislang kaum Hinweise darauf, dass Probiotika den altersbedingten Muskelschwund verlangsamen.
Basierend auf mehreren Reviews, einer systematischen Review (8 RCTs, 564 Teilnehmer) und einem multizentrischen RCT (n=63). Für die meisten Endpunkte sind keine großen RCTs verfügbar. Direkte Kausalität ist für viele Effekte noch unsicher.