Schläft man mit einer Gewichtsdecke wirklich besser?
Eine Gewichtsdecke kann für manche Menschen, besonders bei Angststörungen, Autismus oder sensorischer Überempfindlichkeit, schlaffördernd wirken, doch harte Belege fehlen. Ausprobieren ist legitim, ein garantiertes Ergebnis solltest du dir aber nicht versprechen.
In einer kleinen Laborstudie mit 26 gesunden jungen Erwachsenen stieg die Melatoninausschüttung in der Stunde vor dem Einschlafen unter einer Gewichtsdecke um rund 32 % gegenüber einer leichten Decke. Dieselbe Studie fand keinen Unterschied bei der Schlafdauer oder dem subjektiven Schläfrigkeitsgefühl. Ob der erhöhte Melatoninspiegel langfristig zu besserem Schlaf führt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Ein systematisches Review von 8 Studien kam zu dem Schluss, dass die Datenlage nicht ausreicht, um Gewichtsdecken bei Schlaflosigkeit zu empfehlen. Bei Angststörungen gab es vorsichtige Hinweise auf einen Nutzen, allerdings waren die zugrunde liegenden Studien methodisch schwach und die untersuchten Gruppen sehr unterschiedlich. Kleinere Folgestudien, darunter eine Untersuchung mit 4 Erwachsenen mit sensorischer Überempfindlichkeit, qualitative Interviews mit 26 Kindern mit ADHS sowie Interviews mit 13 Personen mit depressionsbedingten Schlafproblemen, berichteten durchweg von positiven Erfahrungen. Ohne Vergleichsgruppe und bei so geringen Teilnehmerzahlen lassen sich diese Befunde kaum verallgemeinern.
Für Menschen mit einer psychiatrischen Diagnose gibt es etwas belastbarere Beobachtungsdaten. In einer schwedischen Registerstudie mit 1785 Erwachsenen nahmen nach der Nutzung einer Gewichtsdecke 5,5 % mehr Patienten keine benzodiazepin-ähnlichen Schlafmittel mehr ein. Da die Studie keine Vergleichsgruppe hatte, lässt sich daraus kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ableiten. Dieselbe Studie verzeichnete bei einer kleinen Teilgruppe zudem einen geringen, aber statistisch messbaren Anstieg der Diagnosen für Medikamentenmissbrauch, was bei gefährdeten Gruppen als Sicherheitshinweis ernst genommen werden sollte.
Am längsten scheinen Menschen mit Demenz, Angststörungen, Autismus oder einer geistigen Behinderung von einer Gewichtsdecke zu profitieren: Laut einer großen schwedischen Kohortenstudie nutzten sie die Decke deutlich länger als andere. Ältere Menschen über 65 und Kleinkinder unter 6 Jahren gaben sie dagegen früher wieder ab. Für Kinder mit ADHS läuft zwar eine randomisierte Studie, deren Ergebnisse aber noch ausstehen. Für diese Gruppe fehlt also bislang jeder objektive Beleg.
Die vorliegenden Studien umfassen ein systematisches Review, eine Beobachtungskohortenstudie, eine große schwedische Registerstudie, eine kleine Crossover-Laborstudie sowie mehrere qualitative oder sehr kleinangelegte Untersuchungen. Eine publizierte randomisierte kontrollierte Studie mit Schlaf als primärem Endpunkt liegt bislang nicht vor.