Hilft Mundtaping beim besseren Schlafen?
Für die meisten Menschen, die einfach besser schlafen wollen, gibt es keine überzeugenden Belege dafür, dass Mundtaping hilft, und für Menschen mit verstopfter Nase oder Schlafapnoe ist es mit ernsthaften Risiken verbunden.
Mundtaping hat eine gut belegte Ausnahme: Menschen, die nachts nasale Beatmung (z. B. BiPAP) nutzen und dabei Luft durch den Mund verlieren. Bei 9 solcher Patienten sank die Zahl der Schlafunterbrechungen pro Stunde im Schnitt von 35 auf 14, der REM-Schlaf stieg von 13 % auf 21 %, und die CO2-Werte verbesserten sich. Das sind beachtliche Verbesserungen, doch handelt es sich um eine sehr spezifische medizinische Situation. Für gesunde Schläfer lässt sich daraus nichts ableiten.
Für breitere Anwendungsgebiete wie Schlafapnoe und Schnarchen fällt die Bilanz deutlich schlechter aus. Zwei systematische Reviews (zusammen 10 bis 9 Studien, insgesamt 213 Patienten) zeigen, dass lediglich zwei Studien eine gewisse Verbesserung der Schlafapnoe-Messwerte nachweisen konnten; alle übrigen Studien fanden keinen Unterschied. Die Untersuchungen sind zu klein und zu uneinheitlich im Design, um eine klare Empfehlung abzuleiten. Die populären TikTok-Behauptungen über besseren Schlaf und verbesserte Mundgesundheit sind wissenschaftlich kaum geprüft worden.
Bei schwererer Schlafapnoe gibt es außerdem Sicherheitshinweise. Eine kleine Studie mit 10 Patienten zeigte, dass Menschen mit schwerer Schlafapnoe trotz Tape versuchen, den Mund zu öffnen, was als Mundpuffen bezeichnet wird. Je schwerer die Erkrankung, desto häufiger geschieht das. Das deutet darauf hin, dass das Tape die Atemwege nicht wirksam offenhält und bei schwerer Apnoe sogar gefährlich sein kann.
Das größte Sicherheitsrisiko betrifft alle, die unter verstopfter Nase oder anderen Nasenproblemen leiden. Ein systematischer Review betont ausdrücklich, dass Mundtaping bei nicht freier Nasenatmung zu Sauerstoffmangel führen kann. Mehrere Studien schlossen solche Teilnehmer deshalb aus. Hast du nachts regelmäßig eine verstopfte Nase, solltest du Mundtaping unbedingt meiden.
Bei Asthma bringt Mundtaping keinen Nutzen. Eine randomisierte Studie mit 51 Asthmapatientinnen und -patienten zeigte nach vier Wochen nächtlicher Anwendung keinerlei messbare Veränderung der Lungenfunktion oder der Beschwerden.
Sechs Studien, darunter ein systematischer Review (10 Studien, 213 Patienten), ein Scoping-Review (9 Studien), eine RCT (51 Patienten), eine klinische Studie (9 Patienten) sowie zwei kleinere Beobachtungsstudien (10 Patienten). Die Gesamtevidenz ist schmal, heterogen und überwiegend beobachtend.