Schläft man schlechter, wenn man Schmerzen hat – und was lässt sich dagegen tun?
Schmerz verschlechtert den Schlaf – und schlechter Schlaf erhöht seinerseits das Schmerzrisiko. Ansätze wie Entspannungsübungen, kognitive Verhaltenstherapie oder manuelle Therapie können diesen Kreislauf durchbrechen, je nach Beschwerdebild.
Schmerz und Schlaf beeinflussen sich gegenseitig. In einer 12-Monate-Studie stieg durch schlechten Schlaf das Risiko, Nackenschmerzen zu entwickeln, um 76 Prozent. Umgekehrt schnitten ältere Erwachsene mit Schmerzen an mehreren Körperstellen beim allgemeinen Funktionsniveau – einschließlich Schlaf – deutlich schlechter ab als schmerzfreie Personen. Je mehr Stellen betroffen waren, desto stärker der Effekt. Es handelt sich dabei um Beobachtungsstudien, sodass sich Ursache und Wirkung nicht eindeutig trennen lassen; der Zusammenhang selbst ist jedoch klar und konsistent.
Die Schlafqualität wog in dieser Studie bei älteren Menschen schwerer als Schmerz allein: Schlechter Schlaf hing stärker mit eingeschränktem Funktionsniveau zusammen als einzelne Schmerzstellen. Die empfohlene Schlafdauer lag bei etwa 7,5 Stunden – sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf ging mit schlechteren Ergebnissen einher.
Für bestimmte Schmerzbilder gibt es konkrete Hinweise darauf, was helfen kann. Bei Schulterbeschwerden durch einen Riss in der Gelenkmuskulatur litten fast alle Betroffenen unter Nachtschmerzen (bei 91 bis 93 Prozent der Patienten, mittlerer Schmerzwert 5,5 von 10). Nach einer Operation sank dieser Wert auf unter 2, und die Schlafqualität verbesserte sich deutlich. Bei Kieferschmerzen durch Zähneknirschen zeigte eine kleine Studie (30 Teilnehmende), dass manuelle Therapie nach 8 Wochen Schlaf und Schmerz stärker verbesserte als Heimübungen allein – aufgrund der geringen Stichprobengröße bleibt dieses Ergebnis jedoch vorläufig.
Bei Fibromyalgie verbessert Bewegung im Wasser die Schmerzsymptomatik kurzfristig messbar, der Effekt auf den Schlaf war jedoch statistisch nicht signifikant. Eine mittelharte Matratze scheint Komfort und Schlafqualität gegenüber sehr weichen oder sehr harten Modellen zu begünstigen, wenngleich die Studienlage hier nicht einheitlich ist.
Nicht-medikamentöse Ansätze wie Entspannungsübungen, kognitive Verhaltenstherapie, Massage, Musik, Ohrstöpsel und eine Schlafmaske verbesserten in Studien mit Herzoperations-Patienten die Schlafqualität nachweislich und reduzierten gleichzeitig die Schmerzen. Kognitive Verhaltenstherapie gilt dabei als die am besten belegte Methode bei chronischen Schmerzen in Kombination mit Schlafproblemen – wobei die Wirksamkeit von Person zu Person variiert.
Die Aussagen stützen sich auf Beobachtungskohortenstudien, eine Metaanalyse (Fibromyalgie, 22 RCTs), eine Metaanalyse (Herzchirurgie, 18 RCTs, n=1701), einen systematischen Literaturüberblick (Matratzen, 39 Studien), eine kleine RCT (Bruxismus, n=30), eine RCT (Intensivstation, n=80) sowie eine Longitudinalstudie (Nackenschmerzen, n=396). Keine dieser Studien wurde an exakt derselben Population und Fragestellung durchgeführt; der Zusammenhang wird jedoch durch mehrere unabhängige Quellen gestützt.