Stimmt es, dass künstliche Süßstoffe Krebs verursachen?
Der weit überwiegende Teil der Bevölkerungsforschung bestätigt keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen künstlichen Süßstoffen und Krebs. Für Aspartam gibt es Signale, denen weiter nachgegangen wird, die aber keinen Alarm rechtfertigen.
Tierversuche haben gezeigt, dass Saccharin und Cyclamat bei Ratten Blasenkrebs auslösen. Eine Langzeitstudie mit über 3.000 Nagetieren fand auch für Aspartam eine erhöhte Tumorhäufigkeit. Diese Befunde stammen aber ausschließlich aus Tiermodellen.
Beim Menschen sieht die Datenlage überwiegend anders aus. Eine systematische Übersichtsarbeit von 90 Bevölkerungsstudien fand keinen einheitlichen Zusammenhang zwischen irgendeinem künstlichen Süßstoff und irgendeiner Krebsart. Eine weitere Übersichtsarbeit zu Dutzenden Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien bestätigt das: kein belegtes erhöhtes Risiko.
Einige Studien zeichnen ein uneinheitlicheres Bild. Die große französische NutriNet-Santé-Studie mit über hunderttausend Teilnehmenden stellte bei starken Konsumenten künstlicher Süßstoffe eine 13 % höhere Krebshäufigkeit fest. Für Aspartam zeigte sich ein Zusammenhang mit Krebs insgesamt sowie mit Brustkrebs. Eine Auswertung von 25 Beobachtungsstudien bestätigte für Aspartam ebenfalls ein statistisch erhöhtes Risiko. All diese Studien messen jedoch nur Zusammenhänge, keine Ursachen. Die Forschenden nennen selbst mögliche Erklärungen: Selektionsverzerrung, störende Einflussfaktoren wie ein insgesamt ungesünderes Ernährungsmuster bei Konsumenten von Light-Getränken sowie umgekehrte Kausalität.
Dieselbe Auswertung von 25 Studien fand bei 3,7 Millionen Teilnehmenden insgesamt keinen klaren Zusammenhang zwischen künstlichen Süßstoffen und krebsbedingter Sterblichkeit. In der europäischen Untergruppe war das Risiko leicht erhöht, die Unterschiede zwischen den einzelnen Studien waren jedoch groß. Bei Lymphomen, Leukämie und Hirntumoren gibt es unter Forschenden keine einheitliche Einschätzung.
Der weit überwiegende Teil der Bevölkerungsforschung am Menschen zeigt keinen ursächlichen Zusammenhang. Es gibt Signale, die weitere Aufmerksamkeit verdienen, besonders rund um Aspartam. Diese Signale stammen aber aus Beobachtungsstudien und wurden bisher nicht als Kausalzusammenhang bestätigt.
Aussagen basieren auf Übersichtsarbeiten (PMID 15367404, 18604921, 36870410, 39041328), einer systematischen Übersichtsarbeit (PMID 41038346), einer Metaanalyse (PMID 36145117) sowie zwei weiteren Studien (PMID 35324894, 37323037). Alle Humanstudien sind Beobachtungsstudien; randomisierte Studien mit Krebsendpunkten liegen nicht vor.