Verrät meine Griffstärke etwas darüber, wie lange ich lebe?
Die Griffstärke liefert einen sinnvollen Hinweis auf Gesundheit und Sterberisiko – als alleinige Messgröße reicht sie aber nicht: Wer zusätzlich explosive Muskelkraft trainiert, tut deutlich mehr für seine Gesundheit, als die Griffstärke allein zu optimieren.
Ja, und der Zusammenhang ist überraschend stark. In der UK Biobank (500.000 Teilnehmer) und der weltweiten PURE-Studie (140.000 Menschen in 17 Ländern) ging jede um 5 kg niedrigere Griffstärke mit einem 16 bis 20 % höheren Sterberisiko im Beobachtungszeitraum einher. Das Muster ist ausgeprägt und zeigt sich quer durch verschiedene Bevölkerungsgruppen. Dennoch handelt es sich um Assoziationen – kein Beweis dafür, dass eine höhere Griffstärke dein Leben tatsächlich verlängert.
Beim Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt das Risiko pro 5 kg niedrigerer Griffstärke auf 17 bis 22 %. In der PURE-Studie war die Griffstärke damit sogar ein besserer Prädiktor für kardiovaskuläre Sterblichkeit als der Blutdruck. Am deutlichsten ist der Zusammenhang bei Lungenerkrankungen wie COPD: Hier beträgt das erhöhte Sterberisiko pro 5 kg niedrigerer Kraft 24 bis 31 %. Bei Krebssterblichkeit fällt der Effekt schwächer aus (10 bis 17 %), und für Prostatakrebs wurde überhaupt kein Zusammenhang gefunden.
Ein wichtiger Vorbehalt: Eine Studie aus dem Jahr 2025 (CLINIMEX) zeigt, dass explosive Muskelkraft – also wie schnell deine Muskeln Kraft entfalten können – ein deutlich stärkerer Prädiktor für Sterblichkeit ist als die Griffstärke allein. Menschen mit der geringsten explosiven Muskelkraft hatten ein fast siebenfach höheres Sterberisiko verglichen mit der stärksten Gruppe. Sobald man für diese explosive Kraft korrigiert, ist die Griffstärke für sich genommen statistisch nicht mehr signifikant.
Die Griffstärke sagt auch jenseits der Sterblichkeit etwas über den allgemeinen Gesundheitszustand aus. Sie hängt zusammen mit Knochendichte, Knochenbrüchen, kognitiver Leistungsfähigkeit, Depressionen, Schlafproblemen, Diabetes und Lebensqualität. Mehrere Forschergruppen schlagen deshalb vor, sie als eine Art fünftes Vitalzeichen zu betrachten – neben Blutdruck und Herzfrequenz.
Die Griffstärke verändert sich im Laufe des Lebens. Männer erreichen ihren Spitzenwert von durchschnittlich rund 51 kg im Alter von 29 bis 39 Jahren, Frauen ihren Höchstwert von etwa 31 kg zwischen 26 und 42 Jahren. Danach nimmt die Kraft schrittweise ab. Mit 80 Jahren hat etwa jeder Vierte eine klinisch schwache Griffstärke. Die Grenzwerte dafür liegen bei unter 26 kg für Männer und unter 16 kg für Frauen.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere große prospektive Kohortenstudien (UK Biobank n~500.000, PURE n~140.000, CLINIMEX 2025) sowie auf Beobachtungsdaten zu Normwerten nach Altersgruppe. Randomisierte kontrollierte Studien, die Kausalität belegen, existieren nicht. Alle beschriebenen Zusammenhänge sind assoziativ.