Kann deine Griffstärke vorhersagen, wie lange du lebst?
Griffstärke zählt zu den am besten belegten Prädiktoren für frühe Sterblichkeit: je geringer die Kraft, desto höher das Risiko. Sie ist ein nützlicher Gesundheitsindikator, aber noch kein Beleg dafür, dass gezieltes Training der Griffstärke die Lebenserwartung direkt verlängert.
Griffstärke und Lebenserwartung hängen erstaunlich eng zusammen. In einer internationalen Studie mit knapp 140.000 Menschen aus 17 Ländern erhöhte jede um 5 kg niedrigere Griffstärke das Sterberisiko um rund 16 %. Damit war die Griffstärke in dieser Studie sogar ein besserer Prädiktor für die Sterblichkeit als der Blutdruck. Eine britische Studie mit mehr als 500.000 Teilnehmern bestätigt das: Frauen mit geringer Griffstärke hatten in den darauffolgenden sieben Jahren bis zu 20 % mehr Risiko zu sterben.
Der Zusammenhang geht über die Gesamtmortalität hinaus. Eine niedrige Griffstärke ist auch mit einem höheren Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenerkrankungen wie COPD verbunden. Beim Krebstod ist der Zusammenhang schwächer und gilt nicht für alle Krebsarten.
Eine wichtige Einschränkung verdient dennoch Beachtung. In einer brasilianischen Studie war die Griffstärke allein kein statistisch signifikanter Überlebensmarker. Wohl aber die Muskelleistung, also Kraft kombiniert mit Bewegungsgeschwindigkeit: Menschen in der schwächsten Gruppe hatten fast sechsmal so hohes Sterberisiko wie jene in der stärksten Gruppe. Griffstärke liefert damit nur einen Teil des Bildes.
Neben der Sterblichkeit sagt Griffstärke auch andere Probleme vorher: körperliche Einschränkungen, Knochenbrüche, kognitiven Abbau und Komplikationen bei Krankenhausaufenthalten, insbesondere im höheren Alter. Referenzwerte sind dabei personenabhängig. Männer erreichen ihr Maximum mit rund 51 kg (Ende zwanzig bis Ende dreißig), Frauen mit etwa 31 kg. Danach nimmt die Kraft schrittweise ab. Mit achtzig Jahren gilt bei etwa einem Viertel der Bevölkerung die Griffstärke als schwach.
Ein entscheidender Punkt: All diese Zusammenhänge sind assoziativ. Griffstärke zeigt, wie gut dein Körper aktuell aufgestellt ist, sie ist aber keine direkte Ursache für einen frühen Tod. Wer an einer chronischen Erkrankung leidet oder insgesamt in schlechter gesundheitlicher Verfassung ist, hat in der Regel auch eine geringere Griffstärke. Ob gezieltes Griffstärketraining die Lebenserwartung tatsächlich verlängert, lässt sich aus diesen Studien nicht ableiten.
Basiert auf zwei großen prospektiven Kohortenstudien (UK Biobank n>500.000; PURE n≈140.000 aus 17 Ländern), ergänzt durch eine brasilianische Kohortenstudie (CLINIMEX) sowie mehrere Übersichtsarbeiten zu Referenzwerten und verwandten Endpunkten. Alle Zusammenhänge sind observationell; Kausalität ist nicht nachgewiesen.