Was macht ein hoher Cholesterinspiegel mit deinem Gehirn, wenn du älter wirst?
Ein erhöhter Cholesterinspiegel im mittleren Alter erhöht wahrscheinlich das Demenzrisiko, doch im hohen Alter ist dieser Zusammenhang weniger eindeutig, und Cholesterinsenker haben keinen nachgewiesenen Nutzen für das Gehirn. Stabile Werte scheinen besser zu sein als stark schwankende; sprich mit deinem Arzt, wenn du dir Sorgen um dein Risikoprofil machst.
Ein erhöhter Cholesterinspiegel im mittleren Lebensalter ist mit einem höheren Demenzrisiko und kognitivem Abbau im Alter verbunden. Dieser Zusammenhang zeigt sich in mehreren Beobachtungsstudien; bewiesen ist eine Ursache-Wirkungs-Beziehung damit nicht. Bei vaskulären Hirnschäden reiht sich hoher Cholesterin in dieselbe Risikogruppe ein wie Bluthochdruck und Diabetes.
Bei Menschen, deren Werte erst im hohen Alter gemessen werden, verschwindet dieser Zusammenhang oder kehrt sich sogar um. Ab 65 Jahren geht ein höherer Cholesterinspiegel mitunter mit besserer kognitiver Leistung einher. Das erklärt sich möglicherweise durch einen Auswahleffekt: Wer bis ins hohe Alter mit erhöhtem Cholesterin ohne Folgeschäden überlebt, gehört schlicht einer anderen Gruppe an als jene, die das nicht schaffen.
Ein klares Risiko bei älteren Menschen stellen starke Schwankungen des Cholesterinspiegels von Jahr zu Jahr dar. Ältere mit den ausgeprägtesten Veränderungen im Gesamtcholesterin hatten ein 60 % höheres Demenzrisiko als Gleichaltrige mit stabilen Werten; beim LDL-Cholesterin, dem sogenannten schlechten, lag dieser Wert bei 48 %. Ausgeprägte Schwankungen hingen zudem mit einem schnelleren Rückgang des Gedächtnisses und der Verarbeitungsgeschwindigkeit zusammen. Für Veränderungen bei HDL und Triglyceriden ließ sich kein vergleichbarer Zusammenhang finden.
Damit stellt sich die naheliegende Frage: Helfen Cholesterinsenker (Statine) dem Gehirn? In Beobachtungsstudien sieht es vielversprechend aus, doch in kontrollierten Experimenten, bei denen Teilnehmende per Zufall entweder Statine oder ein Placebo erhielten, war kein messbarer Nutzen für die Kognition nachweisbar.
Cholesterin ist kein reiner Feind des Gehirns. Es ist ein wichtiger Baustein für die Verbindungen zwischen Nervenzellen, und zu niedrige Werte können ebenfalls schädlich sein. Gleichzeitig fördert Cholesterin in Zellmembranen die Bildung von Amyloid-Beta, den Ablagerungen, die für Alzheimer typisch sind. Das Gleichgewicht ist komplex, und klare Empfehlungen für einen bestimmten Zielwert, der speziell der Hirngesundheit dient, gibt es bislang nicht.
Alle Aussagen stützen sich auf Beobachtungsstudien sowie eine Übersichtsstudie (PMID 22269162, 39879572, 21778438, 39059424). Der Zusammenhang zwischen Cholesterinschwankungen und Demenz ist assoziationeller Natur; für Statine liegen RCTs vor, die keinen Effekt zeigen.