Wie schnell lässt sich das biologische Alter durch Sport verändern?
Sport kann biologisch messbare Verbesserungen bewirken – wie schnell und in welchem Ausmaß hängt aber stark davon ab, was man misst: Die beste Evidenz betrifft das Hirnvolumen nach einem Jahr Training, nicht eine rasch nachweisbare Senkung des biologischen Alters.
Ein Jahr lang dreimal wöchentliches Ausdauertraining vergrößert das Hippocampusvolumen – also das Gedächtniszentrum im Gehirn – bei älteren Erwachsenen um 2 %. Das entspricht grob dem, was das Gehirn in ein bis zwei Jahren normalerweise an Volumen verliert. Die Kontrollgruppe schrumpfte derweil weiter. Das ist die konkreteste Zahl, die wir haben, wenn es darum geht, wie schnell Sport biologisch messbare Verbesserungen bewirken kann.
Einmaliges Ausdauertraining hebt den Taurinspiegel im Blut vorübergehend an. Taurin ist ein Stoff, dessen Konzentration mit dem Alter normalerweise sinkt, und höhere Werte sind in Tierversuchen mit besserer Gesundheit verknüpft. Ob ein solcher kurzfristiger Anstieg beim Menschen irgendetwas am tatsächlichen Alterungsprozess ändert, ist bislang unbekannt.
Eine kleine Pilotstudie mit 43 gesunden Männern kombinierte acht Wochen lang Bewegung, angepasste Ernährung, Schlaf und Entspannung miteinander. Das epigenetische Alter – ein Maß, das Veränderungen in der DNA-Aktivität erfasst – sank im Vergleich zur Kontrollgruppe um durchschnittlich 3,23 Jahre. Sport war dabei aber nur eine Komponente von mehreren, und wie viel er allein beigetragen hat, lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten. Hinzu kommt: Die Studie ist klein, wurde ausschließlich an Männern durchgeführt, und die Forschenden haben ein kommerzielles Interesse am Ergebnis. Diese Zahl solltest du daher nicht als gesicherte Aussage werten.
Unterm Strich gilt: Der stärkste Hinweis stammt aus der Hirnstudie, in der ein Jahr Training einen messbaren Unterschied gemacht hat. Schnellere Effekte wurden zwar ebenfalls beschrieben, beruhen aber entweder auf kombinierten Lebensstilinterventionen, bei denen sich der Beitrag von Sport nicht isolieren lässt, oder auf kurzfristigen Veränderungen im Blut, deren Bedeutung für das Altern weiterhin unklar ist.
Drei Studien wurden herangezogen: eine RCT (n=120) zum Hirnvolumen (PMID 21282661), eine kleine Pilot-RCT (n=43) zum epigenetischen Alter (PMID 33844651, kommerzielle Interessenkonflikte der Forschenden) sowie eine Assoziationsstudie zu Taurin nach akuter Belastung (PMID 37289866). Metaanalysen zu dieser Frage liegen nicht vor.