Wie senkt man einen zu hohen ApoB-Wert?
Den stärksten ApoB-senkenden Effekt erzielen PCSK9-Hemmer (Alirocumab oder Inclisiran, verschreibungspflichtig). Tägliche Haferflocken helfen ebenfalls, der Effekt ist aber begrenzt.
ApoB ist ein Protein, das auf nahezu allen 'schlechten' Blutfettpartikeln sitzt – darunter LDL. Je mehr ApoB im Blut zirkuliert, desto mehr dieser Partikel sind unterwegs. Eine Beobachtungsstudie aus 32 Ländern zeigt, dass ein ungünstiges Verhältnis von ApoB zum schützenden Protein ApoA1 mit einem fast doppelt so hohen Schlaganfallrisiko einhergeht1. Das ist eine Assoziation, kein Beweis für Kausalität – aber sie erklärt, warum dieser Wert ernst genommen wird.
Den stärksten Effekt haben PCSK9-Hemmer. Diese Wirkstoffe blockieren ein Leberenzym, sodass die Leber mehr Fettpartikel aus dem Blut entfernt. Inclisiran wird nur zweimal jährlich injiziert und senkt ApoB deutlich – entsprechend einer LDL-Reduktion von rund 44% – bei Personen, bei denen Statine allein nicht ausreichen2. Alirocumab senkt nicht nur den ApoB-Spiegel, sondern mindert auch die schädlichen Eigenschaften der Partikel und reduziert das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse bei Herzpatienten3. Beide Wirkstoffe sind zugelassen und werden gut vertragen.
Beim Thema Ernährung ist Hafer am besten untersucht. Eine Metaanalyse aus 58 Studien mit knapp 4.000 Teilnehmenden zeigt, dass rund 3,5 Gramm Beta-Glucan pro Tag – das entspricht einer großen Schüssel Haferflocken – ApoB im Schnitt um 0,03 g/l senkt4. Statistisch belastbar, im absoluten Ausmaß aber bescheiden. Bei leicht erhöhten Werten ist das eine sinnvolle Maßnahme; bei deutlich erhöhtem ApoB reicht Ernährung allein nicht aus.
Muvalaplin ist ein experimenteller Wirkstoff, der ursprünglich zur Senkung von Lipoprotein(a) entwickelt wurde – einem weiteren Risikofaktor. In einer 12-wöchigen Studie senkte er auch ApoB: von etwa 9% bei der niedrigsten bis zu 16% bei der höchsten Dosis5. Die Verträglichkeit war gut, doch ob Muvalaplin tatsächlich kardiovaskuläre Ereignisse verhindert, ist noch nicht untersucht. Als Therapieoption steht es daher noch nicht zur Verfügung.
Grundlage sind eine Metaanalyse aus 58 Studien (Hafer, PMID 27724985), zwei große Phase-3-Studien (Inclisiran PMID 36331315; Alirocumab PMID 41321238), eine Phase-2-Studie (Muvalaplin PMID 39556768) sowie eine große Beobachtungsstudie zum ApoB/ApoA1-Verhältnis und Schlaganfallrisiko (PMID 27431356). Keine weiteren Quellen verwendet.