Wie senkt man einen zu hohen HbA1c-Wert?
Mehrere Wirkstoffe senken den HbA1c nachweislich: Die wöchentliche Semaglutid-Injektion ist am stärksten belegt, aber auch orale Kombinationen mit Empagliflozin oder oralem Semaglutid stützen sich auf gute Evidenz. Besprich mit deinem Arzt, welche Option zu deiner Situation, deinem Verträglichkeitsprofil und deiner Erstattungssituation passt.
Die wöchentliche Semaglutid-Injektion (1,0 mg) gehört derzeit zu den wirksamsten Möglichkeiten, den HbA1c zu senken. In mehreren großen Studien fiel der HbA1c um 1,5 bis 1,8 Prozentpunkte – deutlich mehr als mit Alternativen wie Sitagliptin, Dulaglutid oder Insulin glargin. Kombiniert man Semaglutid mit Basalinsulin, sinkt der HbA1c nach 30 Wochen sogar um 1,4 bis 1,8 Prozentpunkte. Magen-Darm-Beschwerden zwingen allerdings 4,5 bis 6 % der Anwenderinnen und Anwender zum Abbruch. Das SUSTAIN-Studienprogramm wurde vom Hersteller Novo Nordisk finanziert, was bei der Einordnung der Ergebnisse eine Rolle spielt.
Wer keine Spritze möchte, hat auch mit Tabletten eine Option. Orales Semaglutid (14 mg täglich) senkt den HbA1c um 1,0 bis 1,4 Prozentpunkte – erheblich mehr als Sitagliptin, wenngleich die Pillenform weniger wirksam ist als die Injektion. Die 7-mg-Dosis schneidet ebenfalls besser ab als Sitagliptin, während die niedrigste Dosis (3 mg) die Wirksamkeitsschwelle nicht erreichte. Auch hier brachen 15 bis 19 % der Teilnehmenden die Behandlung wegen Magen-Darm-Problemen vorzeitig ab.
Eine bewährte spritzfreie Alternative ist die Kombination aus einem SGLT2-Hemmer und einem DPP4-Hemmer als Ergänzung zu Metformin. Empagliflozin plus Linagliptin senkte den HbA1c um 1,1 bis 1,2 Prozentpunkte – klar mehr als jedes der beiden Mittel allein, ohne dass schwere Unterzuckerungen auftraten. Eine Dreifachkombination aus Dapagliflozin, Sitagliptin und Metformin zeigte ebenfalls eine stärkere Senkung als Zweifachkombinationen; die Studie lief aber nur 16 Wochen und wurde ohne Verblindung durchgeführt, weshalb dieses Ergebnis noch bestätigt werden muss.
Zwei Ansätze wecken wissenschaftliches Interesse, sind aber weit von der Praxistauglichkeit entfernt: das orale Orforglipron, eine experimentelle GLP-1-Pille ohne Peptidstruktur (bisher nur frühe Daten aus einer kleinen Studie mit 68 Personen, größere Belege fehlen), und die Einnahme des Darmbakteriums Akkermansia muciniphila. Letzteres zeigte nur bei Menschen mit von Natur aus niedrigen Ausgangswerten dieses Bakteriums eine Wirkung; in der Gesamtgruppe gab es keinen signifikanten Unterschied gegenüber Placebo. Beide Optionen sind außerhalb klinischer Studien keine realistische Wahl.
Zwei große Reviews wurden von Novo Nordisk (Hersteller von Semaglutid) finanziert. Die übrigen Studien unterscheiden sich in der Studiendauer (12 bis 56 Wochen). Die Dreifachkombinationsstudie wurde offen (open-label) durchgeführt. Die Orforglipron-Studie war eine frühe Studie mit 68 Teilnehmenden; eine verifizierbare PMID liegt nicht vor.
Kann dein HbA1c auch zu niedrig sein?
Ein HbA1c unter 5,0 % ist bei Menschen ohne Diabetes mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden – wahrscheinlich als Signal einer zugrunde liegenden Erkrankung. Einen auffällig niedrigen Wert solltest du immer von deinem Arzt abklären lassen.
Was ist ein gesunder HbA1c-Wert?
Bei gesunden Erwachsenen liegt ein normaler HbA1c zwischen etwa 4,79% und 6,15%, mit einem Durchschnitt von 5,47%. Wer darüber liegt, sollte das mit dem Hausarzt besprechen, um Prädiabetes oder Diabetes auszuschließen.
Wie oft solltest du deinen HbA1c messen lassen?
Bei stabilem Diabetes sind zwei Messungen pro Jahr üblich; bei schwankenden Werten oder einer Therapieumstellung empfehlen sich vier Messungen pro Jahr. Besprich die für dich passende Häufigkeit mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Was verrät dein HbA1c über dein Diabetes- und Alterungsrisiko?
Ein erhöhter HbA1c, der noch deutlich unterhalb der offiziellen Diabetesgrenze liegt, geht mit einem höheren Risiko für Diabetes, Nierenschäden, Augenkomplikationen und möglicherweise Demenz einher. Lass deinen HbA1c regelmäßig bestimmen und besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, welcher Zielwert für dich sinnvoll ist.
Wie kannst du deinen Stoffwechsel ankurbeln oder verbessern?
Du kannst deinen Stoffwechsel beeinflussen, aber die Effekte sind geringer, als populäre Versprechen glauben machen. Die meisten Gewinne stecken in mehr Alltagsbewegung, mehr Eiweiß in der Ernährung und regelmäßigem Sport, nicht in speziellen Nahrungsergänzungsmitteln oder Tricks mit der Mahlzeitenfrequenz.
Woran erkenne ich, ob mein Blutzucker gesund ist (Prädiabetes)?
Prädiabetes lässt sich gut erfassen, aber kein einzelner Bluttest gibt allein vollständige Sicherheit. Lass bei Unsicherheit mehrere Werte bestimmen lassen und besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, ob ein Lebensstilprogramm oder Medikamente sinnvoll sind. Dass dieser Unterschied zählt, ist belegt.