Woran erkenne ich, ob ich zu viel Muskelmasse verliere (Sarkopenie)?
Wer sich Sorgen um Muskelschwund macht, sollte beim Arzt sowohl die Muskelkraft als auch die körperliche Leistungsfähigkeit messen lassen. Eine niedrige Muskelmasse allein reicht nicht aus, um Sarkopenie festzustellen.
Sarkopenie bezeichnet den schleichenden Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft im Laufe des Älterwerdens. Laut den beiden großen internationalen Leitlinien EWGSOP2 und AWGS 2019 braucht es für die Diagnose drei gleichzeitig vorliegende Kriterien: zu geringe Muskelmasse, zu geringe Muskelkraft und eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit. Eine niedrige Muskelmasse allein reicht nicht aus1,2.
Die Muskelkraft lässt sich im Alltag mit einem Handdynamometer messen: Du drückst so fest wie möglich in ein Handgerät. Verlässliche Werte entstehen nur, wenn die Messung jedes Mal gleich abläuft: dieselbe Hand, dieselbe Körperhaltung, dieselbe Anzahl Versuche. Auch die Zeit, die du brauchst, um aus einem Stuhl aufzustehen, und deine Gehgeschwindigkeit gelten als anerkannte Messgrößen. Die Muskelmasse selbst wird per DXA-Scan bestimmt, ähnlich wie eine Knochendichtemessung, aber auf Muskelgewebe ausgerichtet. Alternativ kommt die bioelektrische Impedanzanalyse zum Einsatz, bei der ein schwacher Strom durch den Körper geleitet wird. Die SPPB-Testbatterie, eine Kombination einfacher Bewegungstests, liefert ein umfassenderes Bild deiner körperlichen Funktionsfähigkeit3,4.
Muskelultraschall wird als ergänzendes Verfahren erforscht. Eine Auswertung von 17 Studien zeigte jedoch nur mäßige bis geringe diagnostische Genauigkeit, und alle eingeschlossenen Studien wiesen ein hohes Verzerrungsrisiko auf. Als Ergänzung kann die Methode sinnvoll sein, die etablierten Standardtests ersetzt sie aber nicht5.
Wie häufig Sarkopenie vorkommt, hängt stark vom jeweiligen Umfeld ab. In der allgemeinen Bevölkerung ab 60 Jahren sind es im Schnitt rund 10 Prozent, in Pflegeheimen und Krankenhäusern deutlich mehr. Weil bislang keine weltweit einheitliche Definition existiert, lassen sich Studien nur schwer vergleichen6.
Die Folgen können erheblich sein. Bei Dialysepatienten ist Sarkopenie mit einem um 82 Prozent erhöhten Sterberisiko verbunden; schon eine geringe Muskelkraft allein verdoppelt das Risiko. Bei Menschen mit COPD tritt Sarkopenie in 15 bis 34 Prozent der Fälle auf und geht mit schlechterer Lungenfunktion und niedrigerer Lebensqualität einher7,8. Dabei handelt es sich um statistische Zusammenhänge aus Beobachtungsstudien, keine belegten Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Wenn du dir Sorgen machst, such einen Arzt auf, damit die richtigen Messungen durchgeführt werden können.
Basierend auf mehreren Leitlinien- und Übersichtsartikeln (PMID 38583268, 38337720, 34537916, 21624928, 36513380, 32862514, 34989172, 33786569). Die Diagnosekriterien entstammen zwei breit angelegten internationalen Leitlinien. Die meisten Ergebnisstudien sind beobachtender Natur. Für die diagnostische Genauigkeit liegen in dieser Auswahl keine randomisierten Studien vor.