Führende Wissenschaftler fordern entschlossenes Handeln gegen Ultra-Processed Food
Spitzenforscher aus der Ernährungswissenschaft sind sich selten so einig und so laut. Hochverarbeitete Lebensmittel schaden der Gesundheit, sagen sie, und das System, das sie produziert, ist grundlegend kaputt. Jetzt verlangen sie weitreichende politische Maßnahmen.
Ultra-processed Food (UPF) ist mehr als nur ungesundes Essen. Gemeint sind industriell hergestellte Produkte, die Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker und Zutaten enthalten, die in einer Haushaltsküche nichts zu suchen haben – etwa rekonstituierte Fleischerzeugnisse, gezuckerte Frühstückscerealien oder Fertiggerichte. In vielen westlichen Ländern stammt mehr als die Hälfte aller konsumierten Kalorien aus solchen Produkten.
Eine Sonderausgabe mit einer klaren Botschaft
Eine Gruppe führender Ernährungswissenschaftler hat ihre Erkenntnisse in einer Sonderausgabe des American Journal of Public Health gebündelt. Ihre gemeinsame Botschaft: Schluss mit dem Warten auf weitere Belege – jetzt muss gehandelt werden. Die Forscher präsentierten zudem neue Umfragedaten, die zeigen, dass Bedenken gegenüber den gesundheitlichen Folgen von Ultra-processed Food parteiübergreifend weit verbreitet sind.
Die Ernährungspolitik-Expertin Marion Nestle, eine der Autorinnen, brachte es auf den Punkt: Das System sei darauf ausgelegt, möglichst viel von diesem Essen zu verkaufen – nicht dazu, Menschen gesund zu halten. Das verlange strukturelle Maßnahmen, keine individuellen Ratschläge.
Der Zusammenhang mit dem Altern
Für die Longevity-Forschung ist das von zentraler Bedeutung, denn chronische Krankheiten, die mit dem Konsum von UPF in Verbindung gebracht werden – darunter Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten – beschleunigen auch das biologische Altern. Eine der Schlüsselmechanismen, über die eine schlechte Ernährung den Alterungsprozess beeinflusst, ist die chronisch-schwelende Entzündung im Körper, bekannt als Inflammaging. Politische Maßnahmen, die den UPF-Konsum senken, könnten daher auf Bevölkerungsebene erhebliche Auswirkungen darauf haben, wie Menschen altern.
Die Wissenschaftler sprechen sich für bessere Kennzeichnungspflichten, Einschränkungen bei der Werbung gegenüber Kindern und Subventionen für unverarbeitete Lebensmittel aus. Ob der politische Wille vorhanden ist, diese Schritte tatsächlich zu gehen, steht auf einem anderen Blatt.