Wie schädlich ist hochverarbeitetes Essen – und was macht es mit dir?
Wer dauerhaft viel hochverarbeitete Lebensmittel isst, hat laut großen Beobachtungsstudien ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas und vorzeitigen Tod. Die Befundlage ist breit und konsistent – ein direkter Kausalnachweis steht jedoch noch aus.
Hochverarbeitete Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) sind industriell stark veränderte Produkte mit einer langen Liste an Zusatzstoffen: Emulgatoren, Süßungsmittel, Geschmacksverstärker, Kunstfarben. Typische Beispiele sind Softdrinks, Chips, Fertiggerichte, industriell hergestelltes Brot und billige Wurstwaren. Eine zusammenfassende Auswertung von knapp 10 Millionen Teilnehmern untersuchte 45 Gesundheitsendpunkte. Bei 32 davon (71 %) ging ein höherer UPF-Konsum mit mehr gesundheitlichen Schäden einher – von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Krebs bis hin zu psychischen Störungen1,2.
Die größten Risiken betreffen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Tod. Wer am meisten UPF isst, hat ein um 50 % erhöhtes Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, und stirbt insgesamt 21 % häufiger frühzeitig – unabhängig von der Todesursache. Schon jede weitere 10 % UPF-Anteil an der täglichen Ernährung geht mit 12 % mehr Typ-2-Diabetes-Risiko einher. Wer dauerhaft viel UPF isst, hat gegenüber Menschen mit niedrigem Konsum sogar ein um 40 % höheres Diabetesrisiko1.
Auch beim Körpergewicht und der psychischen Gesundheit sind die Zahlen auffällig deutlich. Hoher UPF-Konsum hängt mit einem um 55 % erhöhten Adipositas-Risiko zusammen. Bei Angststörungen liegt der Anstieg bei 48 %, bei allgemeinen psychischen Beschwerden bei 53 %. In Langzeitstudien entwickelten starke UPF-Konsumenten 22 % häufiger eine Depression. Das Muster ist bemerkenswert einheitlich1,3.
Dazu kommen Hinweise auf erhöhte Krebsraten, Schlafprobleme und Darmerkrankungen. Pro 10 % mehr UPF in der Ernährung steigt das Krebsrisiko insgesamt um 13 %; beim Bauchspeicheldrüsenkrebs klettert dieser Wert auf 49 %. Den Einfluss einzelner Zusatzstoffe auf den Darm belegen bisher vor allem Tier- und Laborversuche4,1,5.
Fast alle vorliegenden Studien sind Beobachtungsstudien. Sie zeigen, wer viel UPF isst und wer häufiger erkrankt – einen direkten Ursachenbeweis liefern sie nicht. Menschen mit hohem UPF-Konsum haben möglicherweise auch in anderen Lebensbereichen ungünstigere Gewohnheiten, und die methodische Qualität der Einzelstudien wird überwiegend als niedrig bis sehr niedrig eingestuft. Die Befunde sind dennoch breit und einheitlich genug, um sie ernst zu nehmen.
Grundlage ist eine große Zusammenschau von Übersichtsarbeiten mit knapp 10 Millionen Teilnehmern (PMID 38418082) sowie ergänzende systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen (PMID 35807749, 35658669, 37087831, 38388570, 37866398). Alle eingeschlossenen Studien sind Beobachtungsstudien; randomisierte kontrollierte Studien fehlen weitgehend. Die Studienqualität wird überwiegend als niedrig bis sehr niedrig bewertet.