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Großangelegte Studie: Sport schützt das alternde Gehirn möglicherweise nicht

Redaktion LongevityWatch · 19. Juli 2026 · 1 min · English

Körperliche Aktivität gilt weithin als eine der besten Maßnahmen für die Gesundheit des Gehirns. Eine große neue Bevölkerungsstudie stellt diese Annahme ernsthaft in Frage – zumindest für Menschen, die bereits älter sind.

In der LIFE-Adult Study mit mehr als 2.500 Teilnehmenden fanden Forschende keine Hinweise darauf, dass höhere körperliche Aktivität zu einem größeren Hippocampusvolumen oder besseren kognitiven Testergebnissen führt. Der Hippocampus ist die Hirnstruktur, die für Gedächtnis und räumliche Orientierung entscheidend ist. Frühere, kleinere Studien hatten nahegelegt, dass Sport ihn vergrößern könne. Die Forschenden veröffentlichten ihre Ergebnisse in eLife.

Umgekehrte Kausalität

Noch auffälliger: Längsschnittanalysen deuteten darauf hin, dass die Beziehung in die entgegengesetzte Richtung verlaufen könnte. Menschen mit einem höheren BrainAGE (einem Maß dafür, wie viel älter das Gehirn im Vergleich zum kalendarischen Alter wirkt) waren beim Follow-up körperlich weniger fit – nicht umgekehrt. Das spricht für eine umgekehrte Kausalität: Nicht Sport hält das Gehirn jung, sondern ein funktionell gealtertes Gehirn führt zu weniger körperlicher Aktivität.

Die Forschenden stellten außerdem einen altersbedingten Verzerrungseffekt bei der Selbsteinschätzung fest. Ältere Teilnehmende überschätzten systematisch ihr eigenes Aktivitätsniveau. Das erschwert die Interpretation jeder Studie, die auf Fragebögen statt auf objektiven Messungen beruht.

Was bedeutet das in der Praxis?

Die Studie widerlegt nicht, dass Sport gesundheitliche Vorteile hat. Sie legt jedoch nahe, dass die schützenden Effekte auf die Gehirnstruktur weniger eindeutig sind als lange angenommen – und dass Interventionen möglicherweise früher im Leben ansetzen müssen. Die Forschenden empfehlen, künftige Studien eher auf Personen mittleren Alters als auf ältere Bevölkerungsgruppen auszurichten.

Für die Longevity-Forschung ist das ein nützlicher Korrekturbefund. Viele Empfehlungen zu Sport und Gehirngesundheit stützen sich auf kleinere oder beobachtende Studien. Diese große Kohorte fügt dem bislang vorherrschenden Konsens eine kritische Stimme hinzu.

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