Hirnscanner kartiert Huntington-Schäden auf Zellebene
Huntingtons Krankheit schädigt das Gehirn Jahrzehnte vor der Diagnose. Eine neue Bildgebungstechnik kann diesen Schaden nun auf der Ebene einzelner Zellen sichtbar machen – mit möglichen Konsequenzen für die Art, wie die Krankheit verfolgt und behandelt wird.
Huntingtons Krankheit befällt gezielt bestimmte Hirnregionen, insbesondere die Basalganglien – eine Gruppe tief im Gehirn gelegener Strukturen, die Bewegung und Kognition steuern. Zellen sterben ab, Gewebe schrumpft. Bisherige Scans konnten dieses Schrumpfen zwar messen, ließen aber keine klaren Rückschlüsse auf Veränderungen auf zellulärer Ebene zu. Soma and Neurite Density Imaging (SANDI) ist eine auf Diffusions-MRT basierende Technik, die zwischen Zellkörpern (Soma) und zellulären Fortsätzen (Neuriten) unterscheidet. Die Studie, veröffentlicht in eLife, wandte SANDI auf 56 Menschen mit Huntingtons Krankheit und 57 nach Alter und Geschlecht abgestimmte Kontrollpersonen an.
Bei Menschen mit Huntingtons Krankheit war die Dichte der Zellkörper in den Basalganglien geringer als bei den Kontrollpersonen. Gleichzeitig waren die verbliebenen Zellkörper größer, und der Abstand zwischen den Zellen nahm zu. Diese Kombination deutet auf einen aktiven Zellverlust neben Veränderungen in den überlebenden Zellen hin. Bemerkenswert ist, dass sich die neuritischen Fortsätze der Zellen zwischen den Gruppen nicht wesentlich unterschieden – was darauf hindeutet, dass der Verlust von Zellkörpern das früheste nachweisbare Schadenssignal in dieser Region ist.
Zusammenhang mit motorischem Abbau
Die SANDI-Messungen korrelierten mit den Ergebnissen standardisierter Motoriktests. Stärkere Auffälligkeiten im Scan gingen mit schlechterer motorischer Leistung einher. Die SANDI-Werte erklärten bis zu 63 % der Varianz beim Verlust des Hirnvolumens. Das macht die Technik als Biomarker in klinischen Studien potenziell wertvoll: Sie erlaubt eine frühzeitige Messung, ob eine Behandlung eine Wirkung zeigt.
Bedeutung für neurodegeneratives Altern
Huntingtons Krankheit ist primär genetisch bedingt, doch die Mechanismen des Zellverlusts in den Basalganglien sind auch für andere neurodegenerative Erkrankungen relevant, die mit dem Altern einhergehen. SANDI könnte künftig helfen, altersbedingten Hirnschaden früher und präziser zu erkennen. Ob die Technik dafür breit einsetzbar ist, muss die weitere Forschung zeigen.
Selbst recherchieren?
Zum Beispiel suchen nach:
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