Hungerhormon blockiert verbessert Muskeln alter Mäuse – aber nicht ihre Lebenserwartung
Ghrelin ist vor allem als das Hormon bekannt, das Hunger auslöst. Doch es spielt auch eine Rolle dabei, wie Muskeln altern. Forscher haben herausgefunden, dass die Unterdrückung der Ghrelin-Signalgebung die Muskelfunktion bei alten Mäusen deutlich verbessert – die Tiere lebten dadurch jedoch nicht länger.
Muskelschwund im Alter, in der Medizin als Sarkopenie bekannt, gehört zu den am meisten unterschätzten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Wenn Menschen in ihren Siebzigern oder Achtzigern Mühe haben, aus einem Stuhl aufzustehen, keine Treppe mehr bewältigen können oder ohne erkennbaren Grund stürzen, liegt die Ursache häufig in einem Muskelverlust, der Jahrzehnte zuvor begann. Abnehmende Muskelmasse geht mit höheren Raten an Behinderung, Krankenhausaufenthalten und Tod einher. Neue Ansätze, diesem Prozess entgegenzuwirken, sind daher von großem Wert.
Mitochondrien im Kern des Problems
Mitochondrien sind die energieerzeugenden Organellen in den Zellen. Im Muskelgewebe kommt ihnen eine besonders wichtige Rolle zu: Muskelzellen verbrauchen bei jeder Kontraktion enorme Mengen an Energie. Mit zunehmendem Alter arbeiten Mitochondrien weniger effizient – sie produzieren weniger Energie, erzeugen mehr schädliche Nebenprodukte und regenerieren sich schlechter. Das trägt unmittelbar zur Muskelschwäche bei.
Die neue Studie, veröffentlicht über Fight Aging, zeigte, dass die Ausschaltung oder Hemmung des Ghrelin-Rezeptors – also des Proteins, an das Ghrelin bindet, um seine Wirkung zu entfalten – die Mitochondrienfunktion im Muskelgewebe alter Mäuse erheblich verbesserte. Dies wurde sowohl durch genetischen Knockout als auch durch einen niedermolekularen inversen Agonisten erreicht, der den Rezeptor blockiert. Die Muskelkraft der behandelten Tiere stieg messbar an.
Was die Ergebnisse nicht zeigten
An dieser Stelle werden die Befunde interessant – und zugleich rätselhaft. Trotz der verbesserten Muskelfunktion nahm die Muskelmasse selbst nicht zu. Und die Tiere lebten nicht länger. Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis. Normalerweise würde man erwarten, dass eine verbesserte Mitochondrienfunktion in bessere Gesamtgesundheit und schließlich in eine verlängerte Lebensspanne mündet. Dieser Zusammenhang fehlte hier.
Das wirft Fragen nach dem genauen Verhältnis zwischen Muskelfunktion, Muskelmasse und Langlebigkeit auf. Es deutet darauf hin, dass Kraft und Muskelmasse teilweise unabhängige Prozesse sind und dass ein längeres Leben mehr erfordert als nur stärkere Muskeln. Ob der Ghrelin-Rezeptor ein sinnvolles therapeutisches Ziel beim Menschen darstellt, bleibt abzuwarten. Mausstudien lassen sich bekanntermaßen schlecht auf die klinische Praxis übertragen. Doch der zugrundeliegende Mechanismus – die Regulation von Mitochondrien im Muskel über hormonelle Signalwege – ist ein Ansatz, der weiterer Erforschung wert ist.