longevitywatch
Forschung · Immunsystem

Immunbremsen werden bei Autoimmunerkrankungen zu Angreifern

Redaktion LongevityWatch · 23. September 2026 · 1 min · English

Das Immunsystem besitzt suppressive Zellen, die verhindern, dass der Körper sich selbst angreift. Doch diese Bremse kann versagen – und genau dann werden jene hemmenden Zellen selbst zu Angreifern.

Regulatorische T-Zellen, kurz Tregs, wirken im Immunsystem als Gegengewicht. Sie unterdrücken andere Immunzellen, wenn diese überaktiv werden. Normalerweise sind Tregs stabil – obwohl sie körpereigene Proteine mit vergleichsweise hoher Sensitivität erkennen. Zwei Proteine, DGK-alpha und DGK-zeta (Diacylglycerolkinasen), sind entscheidend dafür, dass diese Stabilität erhalten bleibt.

In der Studie, veröffentlicht in eLife, wurden Mäuse erzeugt, bei denen ausschließlich die Tregs beide DGK-Proteine vermissen ließen. Das Ergebnis war deutlich: Die Tregs verloren ihre Stabilität, schalteten in einen Angriffsmodus um und lösten in mehreren Organen Autoimmunerkrankungen aus. Sie wandelten sich gezielt in einen Zelltyp um, der Keimzentrum-B-Zellen in den Lymphknoten übermäßig aktiviert – mit der Folge, dass Antikörper produziert werden, die sich gegen den eigenen Körper richten.

Was das über das Altern aussagt

Im normalen Alterungsprozess werden Tregs schrittweise instabiler. Das Immunsystem wird schlechter reguliert, was zu chronischer, gering ausgeprägter Entzündung beiträgt. Dieser Mechanismus, bei dem suppressive Zellen in eine schädliche Form übergehen, ist eine mögliche Erklärung dafür, warum autoimmunähnliche Merkmale im höheren Alter häufiger auftreten.

Die DGK-Proteine sind daher als potenzielle Angriffspunkte interessant. Wenn ihre Aktivität mit dem Alter abnimmt, könnte das erklären, warum die Treg-Bremse bei älteren Menschen weniger zuverlässig funktioniert. Das bleibt eine Hypothese, die diese Studie nicht belegt.

Mögliche Konsequenzen für die Behandlung

Für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen eröffnet diese Forschung einen neuen Ansatz: Statt das Immunsystem breit zu unterdrücken, könnte die gezielte Wiederherstellung der DGK-Funktion in Tregs einen präziseren Weg bieten. Bis zur klinischen Anwendung ist es noch ein weiter Weg. Doch die Erkenntnis, dass ein einzelnes Signalmolekül eine so große Rolle dabei spielt, Selbstimmunität zu verhindern, liefert einen vielversprechenden Ausgangspunkt für weitere Forschung.

Den Originalartikel lesen

Willst du selbst weitersuchen?

Suche zum Beispiel nach:

  • regulatorische T-Zellen Autoimmunerkrankung
  • Diacylglycerolkinase Immunstabilität
  • Treg-Dysregulation Alterung
Was sagt die Evidenz dazu?
Ist ein überaktives Immunsystem auch gefährlich?
Verwandte Forschung
07 Nov
Immunenzym schützt gesundes Gewebe vor Entzündung – Erkenntnisse aus dem Zebrafisch
06 Nov
Seneszente Zellen übertragen ihre Seneszenz über winzige Vesikel auf Nachbarzellen
04 Nov
Männliche Mäuse verlieren krebsbekämpfende Immunzellen früher mit dem Alter
Newsletter

Bleib auf dem Laufenden

Jeden Donnerstag die wichtigste Longevity-Forschung in deinem Postfach, zugeschnitten auf das, was du verfolgst.