Kann ein überaktives Immunsystem gefährlich werden?
Ein überaktives Immunsystem kann körpereigenes Gewebe schädigen und ist bei mehreren Krankheitsbildern nachweislich gefährlich. Wenn du Beschwerden hast, die auf eine chronische Entzündung oder ein Autoimmunproblem hindeuten könnten, sprich das mit deinem Arzt an.
Ein überaktives Immunsystem ist tatsächlich gefährlich – und das ist keine bloß theoretische Möglichkeit. Bei mehreren Krankheitsbildern richtet die Immunreaktion selbst mehr Schaden an als die ursprüngliche Bedrohung. Dieses Prinzip gilt bei Infektionen, Stoffwechselerkrankungen und sogar nach einem Herzinfarkt.
Nach einem Herzinfarkt räumt eine vorübergehende Entzündungsreaktion das geschädigte Gewebe auf – das ist sinnvoll. Hält diese Reaktion aber zu lange an oder fällt zu stark aus, weitet sich die Herzkammer aus und es kann sich eine Herzinsuffizienz entwickeln. Tierversuche und Beobachtungen an Patienten zeigen diesen Zusammenhang übereinstimmend.
Bei einer seltenen genetischen Erkrankung namens CHAPLE fehlt eine Bremse im sogenannten Komplementsystem, einem Teil des Immunsystems. Ohne diese Bremse greift das Immunsystem die eigenen Blutgefäße an. Kinder mit dieser Erkrankung entwickeln schon früh gefährliche Blutgerinnsel, verlieren Proteine über den Darm und wachsen schlecht. Das ist einer der direktesten Belege dafür, dass eine unkontrollierte Immunreaktion lebensbedrohlich sein kann.
Auch eine Überaktivität sogenannter Inflammasome – Strukturen des Immunsystems, die Bakterien und geschädigte Zellen erkennen – spielt bei weit verbreiteten Krankheiten eine Rolle. Genetische Fehler in diesen Inflammasomen verursachen schwere chronische Entzündungskrankheiten. Darüber hinaus wurde bei Typ-2-Diabetes und Arteriosklerose ein Zusammenhang mit einer übermäßigen Aktivierung desselben Systems gefunden, vermutlich ausgelöst durch Überernährung und Stoffwechselprobleme.
Bei tuberkulöser Hirnhautentzündung zeigte eine Studie mit 281 Patienten, dass überaktive Neutrophile – eine Art besonders aggressiver weißer Blutkörperchen – im Blut mit einer höheren Sterblichkeit einhergingen. Hier tötet nicht allein das Bakterium, sondern auch die körpereigene Entzündungsreaktion schädigt das Gehirn. Es handelt sich dabei um eine Assoziation, kein bewiesenes Ursache-Wirkungs-Verhältnis. Schließlich scheint ein Zinkmangel das Gleichgewicht des Immunsystems zu stören und den Körper anfälliger für schädliche Überreaktionen zu machen – allerdings ist die Evidenz hier begrenzt und überwiegend indirekt.
Basiert auf mehreren PMIDs (27340270, 24072174, 25423351, 41873719, 39475467, 33641685, 38334202, 19150035) mit unterschiedlichen Studientypen: Tiermodelle, Patientenstudien, genetische Evidenz und Assoziationsstudien. Randomisierte kontrollierte Studien speziell zum übergeordneten Prinzip gibt es nicht.