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Forschung · Immunsystem

Immunzellen treiben entzündliche Verschiebung im Knochenmark mit dem Alter voran

Redaktion LongevityWatch · 19. September 2026 · 2 min · English

Mit zunehmendem Alter produziert das Knochenmark immer mehr entzündungsfördernde Immunzellen. Das befeuert eine chronische Entzündung auf niedrigem Niveau. Forschende haben nun die Zellen identifiziert, die diesen Prozess antreiben – und ein bereits zugelassenes Medikament gefunden, das ihn möglicherweise verlangsamen kann.

Das Knochenmark ist die Produktionsstätte aller Blutzellen. Normalerweise erzeugt es eine ausgewogene Mischung aus roten Blutkörperchen, Immunzellen und Blutplättchen. Mit dem Altern verschiebt sich dieses Gleichgewicht zugunsten myeloischer Zellen – also entzündungsbezogener Immunzellen – und auf Kosten der Lymphozyten. Dieses Phänomen, als myeloischer Bias bezeichnet, trägt zum sogenannten Inflammaging bei: der chronischen Entzündung auf niedrigem Niveau, die mit altersbedingten Krankheiten in Verbindung gebracht wird.

Forschende berichten in Nature Aging, dass ein bestimmter T-Zell-Typ – die zytotoxische CD4+-T-Zelle – diese Verschiebung aktiv begünstigt. Das Team zeigte, dass diese Zellen die Produktion myeloischer Zellen im Knochenmark über die CCL5-CCR5-Achse ankurbeln. CCL5 ist ein Chemokin – ein chemisches Locksignal –, das über den Rezeptor CCR5 wirkt.

Ein zugelassenes Medikament als Kandidat

Bemerkenswert ist, dass die Forschenden nicht nur den Mechanismus kartiert, sondern auch ein klinisch zugelassenes Medikament erprobt haben: Maraviroc. Dieses Mittel blockiert CCR5 und wird bereits in der HIV-Behandlung eingesetzt. Bei gealterten Mäusen stellte Maraviroc das immunologische Gleichgewicht teilweise wieder her und verringerte den myeloischen Bias. Die Befunde sind vorläufig und beschränken sich auf Tiermodelle, doch die bereits vorhandene klinische Zulassung macht das Medikament zu einem interessanten Kandidaten für weiterführende Studien am Menschen.

Für die Longevity-Forschung ist das ein bedeutsamer Befund. Myeloischer Bias und Inflammaging gelten seit Langem als bekannte Merkmale des Alterns, doch welcher spezifische Zelltyp den Prozess antreibt, war bislang unklar. Mit zytotoxischen CD4+-T-Zellen als zentralem Treiber zeichnet sich nun ein konkreteres Interventionsziel ab.

Was bedeutet das längerfristig?

Die entscheidende Frage ist, ob Maraviroc oder ähnliche CCR5-Blocker beim Menschen dieselbe immunologische Neubalancierung bewirken können. Dafür sind klinische Studien notwendig. Zudem bestehen potenzielle Risiken: CCR5 spielt auch bei der Infektionsabwehr eine Rolle, sodass eine vollständige Blockade nicht ohne Bedenken ist. Gleichwohl ist die Richtung vielversprechend – ein gut erforschtes, bereits verfügbares Medikament, das einem altersbedingten Immunproblem entgegenwirken könnte.

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