Thymus-Transplantation in der Milz stellt alternde Immunabwehr wieder her
Der Thymus ist das Organ, in dem Immunzellen heranreifen. Ab etwa dem dreißigsten Lebensjahr schrumpft er erheblich – und schwächt damit die adaptive Immunantwort. Forschenden ist es nun gelungen, einen neuen Thymus zu züchten – nicht an seinem angestammten Platz, sondern in der Milz.
Der Thymus spielt eine zentrale Rolle im Immunsystem. Hier reifen T-Zellen heran – jene weißen Blutkörperchen, die körperfremde Bedrohungen erkennen und bekämpfen. Mit zunehmendem Alter schrumpft der Thymus und verliert seine Funktion, ein Vorgang, der als Thymus-Involution bezeichnet wird. Das erklärt zum Teil, warum ältere Menschen auf Infektionen und Impfungen schwächer ansprechen.
Chinesische Forschende beschreiben in der Zeitschrift Advanced Science einen neuen Ansatz: Thymus-Transplantate in der Milz von Mäusen zu züchten. Die Forschenden wählten die Milz, weil sie reich an Blutgefäßen ist, Wachstumssignale aussendet und eine hohe Immuntoleranz aufweist. Gerade diese Eigenschaft macht sie für Spendergewebe (allogenes Gewebe) geeigneter als andere Implantationsorte.
Schnelleres und kräftigeres Wachstum als im Muskel
Die Transplantate wuchsen in der Milz schneller als in Muskelgewebe – jenem Ort, der klinisch derzeit bei Kindern genutzt wird, die ohne Thymus geboren werden. Bereits nach zwei Wochen zeigten die Milz-Transplantate ausgeprägte kortikale und medulläre Zonen, die beiden Kompartimente, die verschiedene Entwicklungsstadien der T-Zellen unterstützen. Die Muskel-Transplantate blieben kleiner und waren teilweise nekrotisch.
Nach der Transplantation zeigten die Mäuse verbesserte Immunreaktionen gegen Viren und Tumore. Die Neubildung von T-Zellen nahm zu. Zudem stellten die Forschenden fest, dass die altersbedingte Thymus-Involution in den behandelten Tieren rückgängig gemacht wurde. Es handelt sich um vorläufige Ergebnisse aus Mausmodellen, und der Schritt zum Menschen ist groß – doch die Befunde sind vielversprechend.
Einordnung
Die Thymus-Involution gehört zu den am besten belegten Merkmalen der Immunalterung. Weltweit laufen Bemühungen, den Thymus mithilfe von Stammzellen, Wachstumsfaktoren oder Thymus-Präparaten zu regenerieren. Der Milz-basierte Ansatz ist neu und könnte eine schnellere sowie wirksamere Alternative darstellen. Ob das beim Menschen funktioniert und wie lange ein solches Transplantat seine Funktion behält, ist noch offen. Folgestudien an größeren Tiermodellen sind der naheliegende nächste Schritt.
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