Klotho hält das alternde Gehirn stabil
Es gibt ein Protein im Blut, dessen Spiegel mit dem Alter messbar sinkt. Und je tiefer er fällt, desto größer wird das Risiko kognitiver Einbußen. Dieses Protein heißt Klotho – und Forschende beginnen zu verstehen, warum es eine so entscheidende Rolle spielt.
Klotho wurde ursprünglich als Regulator des Mineralstoffwechsels entdeckt. Doch die Forschenden zeigen in einem neuen Übersichtsartikel, dass das Protein eine weit umfassendere Rolle spielt – vor allem im alternden Gehirn. Klotho scheint mehrere Prozesse gleichzeitig zu stabilisieren, die im Alter aus dem Gleichgewicht geraten.
Das Protein wird hauptsächlich im Plexus choroideus produziert, einer Hirnstruktur, die den Liquor cerebrospinalis filtert. Von dort zirkuliert es durch den Körper und beeinflusst Zellen auf Distanz. Im Gehirn trägt Klotho zur Synapsenqualität bei, zur Bildung neuer Nervenzellen sowie zur Isolierung von Nervenfasern durch Myelinisierung. Genau diese Prozesse verschlechtern sich bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson.
Vier Systeme auf einmal
Was Klotho besonders auszeichnet, ist die Breite seines Einflusses. Der Übersichtsartikel beschreibt, wie das Protein auf die Kalziumsignalübertragung, die mitochondriale Energiefunktion, das Gleichgewicht zwischen oxidativem Stress und Reparaturmechanismen sowie die Regulierung von Immunzellen im Gehirn (neuroimmune Regulation) einwirkt. Das sind vier voneinander unabhängige Systeme, die im Alter sämtlich dysreguliert werden.
Niedrige Klotho-Spiegel im Blut wurden in mehreren Studien mit kognitivem Abbau in Verbindung gebracht. Der Übersichtsartikel betont jedoch, dass es sich dabei vorerst um Assoziationen handelt. Ob eine Erhöhung des Klotho-Spiegels kognitivem Abbau tatsächlich vorbeugt, ist beim Menschen bislang nicht belegt.
Von der Maus zum Menschen
In der Tierforschung sind die Ergebnisse vielversprechend. Mäuse mit erhöhter Klotho-Expression leben länger und zeigen im höheren Alter bessere Hirnfunktionen. Mäuse ohne Klotho weisen beschleunigte Alterungsphänotypen auf. Mehrere Unternehmen entwickeln derzeit Therapien auf Basis von Klotho-Fragmenten oder Gentherapien, um die Produktion des Proteins anzukurbeln.
Aus Longevity-Perspektive ist das bemerkenswert: Wirkt Klotho tatsächlich als Stabilisator der Gehirnresilienz, wäre es eines der wenigen Proteine, das mehrere Alterungsmechanismen gleichzeitig zu beeinflussen scheint. Das macht es zu einem attraktiven Angriffspunkt – aber auch zu einem komplexen, denn breite Wirkungen bergen bei Eingriffen ebenso breite Risiken.
Der Übersichtsartikel wurde im Korean Journal of Physiology and Pharmacology veröffentlicht.