Lifestyle-Programm erhält die Mobilität gebrechlicher älterer Menschen länger
Mit mehreren Krankheiten gleichzeitig alt zu werden ist die Regel, nicht die Ausnahme. Eine große europäische Studie hat getestet, ob ein intensives Lifestyle-Programm gebrechlichen älteren Menschen helfen kann, selbstständig zu bleiben. Die Antwort hängt stark davon ab, welche Krankheiten jemand hat.
Die SPRINTT-Studie (veröffentlicht in Nature Aging) begleitete gebrechliche ältere Menschen und bot ihnen ein intensives Programm an, das körperliches Training, Ernährungsberatung und Coaching kombinierte – mit dem Ziel, ihre Beweglichkeit zu erhalten. Anschließend untersuchten die Forschenden, welche Krankheitskombinationen, also das gleichzeitige Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen (Multimorbidität), den Therapieerfolg beeinflussten.
Die Studie ergab, dass Teilnehmende mit psychiatrischen Erkrankungen und unspezifischen Krankheitsmustern den beständigsten klinischen Nutzen zeigten. Bei anderen Krankheitskombinationen war der Effekt weniger eindeutig. Das deutet darauf hin, dass ein standardisiertes Lifestyle-Programm nicht für alle gebrechlichen älteren Menschen gleich gut funktioniert. Wer profitiert, hängt von der Krankheitslast der jeweiligen Person ab.
Nicht alle gebrechlichen älteren Menschen sprechen gleich an
Der Befund hat Konsequenzen für die Gestaltung der Altenpflege. Bislang wurden Lifestyle-Programme pauschal allen Personen angeboten, die als gebrechlich eingestuft wurden. Diese Studie zeigt, dass das individuelle Krankheitsprofil darüber entscheidet, wer tatsächlich davon profitiert – ein Argument für stärker personalisierte Ansätze.
Körperliches Training gehört nach wie vor zu den am besten belegten Maßnahmen, um die Mobilität älterer Menschen zu erhalten. Doch die richtige Zuordnung von Menschen zu den passenden Programmen ist mindestens ebenso wichtig. Diese Studie ist ein Schritt in diese Richtung.
Was die Studie offenlässt
Die Untersuchung ist beobachtender Natur: Sie zeigt, welche Patientengruppen am meisten profitierten, erklärt aber nicht, warum. Ob eine Anpassung des Programms an spezifische Krankheitskombinationen bessere Ergebnisse liefern würde, wurde nicht geprüft. Die Forschenden empfehlen, künftig personalisierte Lifestyle-Interventionen für gebrechliche ältere Menschen mit bestimmten Multimorbidität-Mustern zu entwickeln und zu testen.
Für eigene Recherchen empfohlene Suchbegriffe: multimorbidity lifestyle intervention frail elderly, mobility disability prevention frailty aging, personalized geriatric care disease profile