Mitochondrienabbau bei Parkinson ist komplexer als angenommen
Bei Parkinson sterben bestimmte Gehirnzellen bevorzugt ab. Lange gingen Forschende davon aus, dass ein bekanntes mitochondriales Qualitätskontrollsystem der entscheidende Faktor sei. Doch es reicht nicht aus, dieses System einfach zu aktivieren.
Mitochondrien sind die energieerzeugenden Organellen der Zellen. Werden sie beschädigt, werden sie normalerweise durch einen Prozess namens Mitophagie beseitigt: Beschädigte Mitochondrien werden erkannt und abgebaut. Der PINK1/Parkin-Signalweg ist der am besten charakterisierte Mechanismus dafür, und er funktioniert bei Parkinson-Patienten nachweislich schlechter.
Therapien, die versuchen, diesen Signalweg zu stimulieren, haben bislang jedoch kaum Erfolge gezeigt. Die Forschenden argumentieren, dies liege daran, dass der Signalweg wie ein einfacher Schalter behandelt worden sei. Tatsächlich ist die Mitophagie eine Kette aufeinanderfolgender Schritte, von der Schadenserkennung über die Proteinmarkierung bis zum lysosomalen Abbau. Stockt ein einziger Schritt in dieser Kette, nützt die Beschleunigung nur des ersten Schritts nichts.
Ein sich selbst verstärkendes Schadensnetzwerk
Bei Parkinson stört die Ansammlung von fehlgefaltetem alpha-Synuclein-Protein den normalen Ablauf der Mitophagie. Auch die Lysosomen, die Abbaustationen der Zelle, sind beeinträchtigt. Neuroinflammation, also chronische Entzündungsprozesse im Nervensystem, verschärft das Problem zusätzlich. Das Ergebnis ist ein sich selbst erhaltendes Schadensnetzwerk, in dem eine vorgelagerte Aktivierung von PINK1/Parkin nicht zu einem tatsächlichen Mitochondrienabbau führt.
Die Autoren fordern daher einen anderen Maßstab in der Forschung: nicht ob der Signalweg aktiv ist, sondern ob die Mitophagie tatsächlich abgeschlossen wird. Diese Unterscheidung hat unmittelbare Folgen für die Gestaltung klinischer Studien und die Auswahl von Patienten. Eine frühzeitige Intervention, bevor mehrere Schritte der Kette bereits gestört sind, erscheint in diesem Rahmen vielversprechender. Es handelt sich um einen Übersichtsartikel, nicht um ein originäres klinisches Experiment.
Was das für die Behandlung bedeutet
Eine unmittelbare klinische Anwendung ergibt sich daraus nicht. Doch das Verständnis dafür, warum frühere auf PINK1 ausgerichtete Therapien enttäuschten, hat sich verbessert. Damit ist dieser Übersichtsartikel für alle relevant, die den Stand der Parkinson-Forschung und das mitochondriale Altern im Blick behalten. Der Beitrag wurde über Fight Aging veröffentlicht.
Für eigene Recherchen empfehlen sich folgende Suchbegriffe: PINK1 Parkin mitophagy Parkinson's, mitochondrial quality control neurodegeneration, alpha-synuclein lysosomal dysfunction