Mutationen in Blutstammzellen treiben die Alterung still voran
Eine kleine Population von Blutstammzellen mit einem Wachstumsvorteil kann das Blutbild lautlos übernehmen. Dieser Prozess, bekannt als klonale Hämatopoese, wird zunehmend mit beschleunigter Alterung und altersbedingten Krankheiten in Verbindung gebracht.
Mit zunehmendem Alter häufen sich in den blutbildenden Stammzellen (hämatopoetischen Stammzellen) Mutationen an. Gelegentlich verschafft eine solche Mutation einer einzelnen Zelle einen Wettbewerbsvorteil. Diese Zelle teilt sich häufiger und verdrängt nach und nach die anderen. Wenn mehr als zwei Prozent der zirkulierenden Blutzellen von einem einzigen mutierten Klon abstammen, sprechen Forschende von klonaler Hämatopoese unbestimmten Potenzials, kurz CHIP.
CHIP ist kein Krebs, aber auch nicht harmlos. Die Forschenden beschreiben, wie CHIP mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf- und neurologische Erkrankungen verbunden ist. Als Mechanismus wird entzündungsfördernde Signalübertragung diskutiert: Mutierte Immunzellen scheinen im ganzen Körper eine schwelende chronische Entzündung aufrechtzuerhalten, das sogenannte Inflammaging, das als anerkannter Treiber zahlreicher altersbedingter Krankheiten gilt.
Das Knochenmark als zentraler Schauplatz
Das Knochenmark produziert nicht nur Blutzellen, sondern ist auch die Umgebung, in der Stammzellen entscheiden, ob sie sich teilen oder ruhend bleiben. Mit den altersbedingten Veränderungen des Knochenmarks gewinnen mutierte Klone zusätzlichen Auftrieb. Zu den am häufigsten mutierten Genen bei CHIP zählen DNMT3A, TET2 und ASXL1, die allesamt die Genaktivität regulieren. Fehler in diesen Genen verändern nicht nur die Blutzellenproduktion, sondern auch die Art und Weise, wie Immunzellen auf Infektionen und Gewebeschäden reagieren.
Risikofaktor oder Ursache?
Die Autoren betonen einen wichtigen Vorbehalt: Die Belege beim Menschen stammen überwiegend aus epidemiologischen Studien. CHIP korreliert mit beschleunigter biologischer Alterung und erhöhtem Krankheitsrisiko, doch ob es sich um eine direkte Ursache oder lediglich um einen Marker für zugrunde liegende Zellschäden handelt, ist noch nicht abschließend geklärt. Diese Unterscheidung ist von großer Bedeutung für die Frage, ob eine frühzeitige Behandlung von CHIP tatsächlich Schaden abwenden würde.
Diagnostische Methoden werden immer empfindlicher, und Forschende beginnen, Wege zu erkunden, die klonale Ausbreitung zu verlangsamen oder ihre nachgelagerten Auswirkungen zu begrenzen. Aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung ist das ein Bereich, den es zu beobachten gilt: Wenn CHIP die Alterung tatsächlich beschleunigt, könnte das Knochenmark zu einem Ziel für frühe Interventionen werden.
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