Gehen meine Stammzellen mit dem Alter zur Neige?
Stammzellen nehmen mit dem Alter tatsächlich schrittweise in Zahl und Funktion ab, was Muskelregeneration, Hirnleistung und andere Gewebe beeinträchtigt. Bewährte und sichere Therapien, die das bei gesunden Menschen aufhalten, gibt es bislang nicht.
Ja, deine Stammzellen nehmen mit dem Alter tatsächlich ab – sowohl in ihrer Zahl als auch in ihrer Funktion. Das gilt als einer der zentralen Mechanismen hinter dem körperlichen Alterungsprozess.
Dieses Phänomen zeigt sich in mehreren Geweben gleichzeitig. Im Gehirn lässt die Bildung neuer Nervenzellen nach, was mit kognitivem Abbau und einem höheren Risiko für neurodegenerative Erkrankungen zusammenhängt. In der Muskulatur erschöpfen sich die für die Regeneration zuständigen Stammzellen: Es werden weniger, und die verbleibenden arbeiten schlechter. In den Haarfollikeln sinkt die Aktivität der dazugehörigen Stammzellen, was altersbedingten Haarausfall begünstigt.
Auch die Kraftwerke deiner Zellen spielen eine Rolle: Eine nachlassende Funktion der Mitochondrien hängt sowohl mit dem Altern als auch mit sinkender Stammzellaktivität zusammen. Ob das Ursache oder Wirkung ist, lässt sich derzeit noch nicht klar sagen. Fest steht, dass Stammzellerschöpfung zur altersbedingten Gebrechlichkeit beiträgt – dein Körper verfügt schlicht über immer weniger physiologische Reserve.
Ob sich dieser Prozess umkehren lässt, wird aktiv erforscht, doch die Forschung steckt noch in den Anfängen. Bei alten Affen führten Infusionen mit alterungsresistenten menschlichen Stammzellen zu weniger Alterungszeichen, einer besseren Hirnstruktur und geringerer Entzündungsaktivität – ohne Nebenwirkungen über 44 Wochen. Bei Mäusen ließ sich der altersbedingte Abbau von Immunstammzellen durch eine leberbasierende Therapie vorübergehend rückgängig machen. All das sind Tierexperimente, die sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen lassen.
Frühe Studien an Menschen mit altersbedingter Gebrechlichkeit deuten darauf hin, dass Stammzelltransplantationen sicher erscheinen – ein Wirksamkeitsnachweis fehlt aber noch. Hinzu kommt das Risiko einer Tumorbildung als mögliche Nebenwirkung. Für gesunde Menschen gibt es derzeit keine bewährte, sichere Therapie, die der Stammzellerschöpfung entgegenwirkt.
Neun Aussagen auf Basis von acht PMIDs. Die Evidenz für die Stammzellerschöpfung selbst ist stark: Die Befunde sind über mehrere Gewebe hinweg konsistent. Die Evidenz für Interventionen ist begrenzt: Es liegen ausschließlich Tierexperimente sowie frühe Phase-I/II-Studien beim Menschen vor, ohne große randomisierte Studien.