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Ritalin schärft Entscheidungen – aber nicht bei jedem

Redaktion LongevityWatch · 20. Juni 2026 · 2 min · English

Ritalin gilt als Mittel zur Verbesserung der Konzentration. Doch es beeinflusst auch, wie Menschen unter Druck Entscheidungen treffen. Und dieser Effekt verläuft je nach Person in entgegengesetzte Richtungen.

Unser Verhalten wird gleichzeitig von zwei Systemen gesteuert. Das eine lernt, was Belohnungen bringt und was nicht (das instrumentelle System). Das andere reagiert automatisch auf Umgebungsreize – etwa wenn man nach Essen greift, das man eigentlich nicht essen wollte, weil es gut riecht (das Pawlowsche System). Normalerweise arbeiten beide Systeme zusammen. Manchmal geraten sie in Konflikt.

Katecholamine und kognitive Kontrolle

Methylphenidat (der Wirkstoff in Ritalin) hemmt die Wiederaufnahme von Katecholaminen: Botenstoffe wie Dopamin und Noradrenalin. Diese spielen eine Rolle im präfrontalen Kortex, der Hirnregion, die für kognitive Kontrolle zuständig ist. Der Effekt von Methylphenidat auf die kognitive Kontrolle folgt einer umgekehrten U-Kurve: Zu wenig oder zu viel Aktivität in diesem System ist gleichermaßen nachteilig, und das optimale Niveau unterscheidet sich von Person zu Person.

In der Studie, veröffentlicht in eLife, absolvierten hundert gesunde Probanden eine Aufgabe, bei der sie auf Belohnungs- oder Vermeidungsreize reagieren mussten – oder eben nicht. Methylphenidat wurde erst nach dem Lernprozess verabreicht, um zu prüfen, ob der Effekt ausschließlich auf die Handlungssteuerung wirkt und nicht über den Lernprozess selbst vermittelt wird.

Arbeitsgedächtnis als Vorhersagegröße

Der unterschiedliche Effekt hing mit der Arbeitsgedächtniskapazität der Probanden zusammen – einem Maß für die Fähigkeit, Informationen vorübergehend zu speichern und zu verarbeiten. Menschen mit hoher Arbeitsgedächtniskapazität profitierten von Methylphenidat: Ihre kognitive Kontrolle über automatische Reaktionen verbesserte sich. Bei Personen mit geringerer Kapazität fiel der Effekt des Medikaments schwächer oder anders aus.

Dies passt zur übergeordneten Idee eines ausgangsabhängigen Effekts: Der Ausgangspunkt bestimmt, wie ein Medikament bei einem selbst wirkt. Das ist für die Longevity-Forschung relevant, da kognitive Kontrolle und Arbeitsgedächtnis mit dem Alter abnehmen. Ob Methylphenidat bei älteren Erwachsenen ein vergleichbares Profil zeigt, ist bislang nicht untersucht worden. Diese Studie betrachtete ausschließlich gesunde jüngere und mittelalte Erwachsene.

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