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Forschung · Zellen & DNA

Wenn Zellen aufhören sich zu teilen, aber nicht aufhören Schaden anzurichten

Redaktion LongevityWatch · 19. August 2026 · 2 min · English

Mit zunehmendem Alter häufen sich Zellen an, die sich nicht mehr erneuern können – und die sitzen keineswegs still: Sie senden aktiv Entzündungssignale aus, die umliegendes Gewebe schädigen. Das eigentliche Problem ist, dass Wissenschaftler bis heute keinen verlässlichen Weg gefunden haben, diesen Vorgang im menschlichen Körper zu messen.

Das ist die Kernbotschaft einer umfangreichen Übersichtsarbeit, die Forscher in Biomedicines veröffentlicht haben. Sie beschreiben darin, wie zwei Prozesse – zelluläre Seneszenz und chronische niedriggradige Entzündung (sogenanntes Inflammaging) – sich beim Altern gegenseitig verstärken. Jeder für sich ist bereits schädlich. Zusammen tragen sie zu Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Demenz und Diabetes bei.

Eine Zelle, die pausiert – aber nicht schweigt

Eine seneszente Zelle hört auf, sich zu teilen, bleibt aber aktiv und sendet weiterhin Signalstoffe aus. Dieses Paket entzündungsfördernder Botenstoffe bezeichnen Forscher als SASP (secretory associated senescent phenotype). Diese Stoffe können benachbarte Zellen schädigen und lokale Entzündungen anfachen. In Tiermodellen war das gezielte Beseitigen seneszenter Zellen bereits mehrfach erfolgreich: Krankheitsbilder verbesserten sich, und eine verlängerte Lebensspanne wurde beobachtet. Doch beim Menschen fehlt ein entscheidendes Bindeglied.

Die Forscher verweisen auf den Mangel an robusten Biomarkern: messbare Substanzen in Blut oder Gewebe, die zuverlässig anzeigen, wie viele seneszente Zellen jemand hat und wie viel Schaden sie anrichten. Ohne eine solche Messgröße können Behörden kaum beurteilen, ob eine Behandlung tatsächlich am richtigen Ziel wirkt.

Das Hindernis für neue Therapien

Das berührt unmittelbar die Zukunft sogenannter Senolytika – Wirkstoffe, die seneszente Zellen gezielt beseitigen. Mehrere Kandidaten werden bereits getestet, doch Zulassungsbehörden fordern Biomarker, die belegen, dass ein Mittel auch wirklich die richtigen Zellen trifft. Solche Biomarker gibt es bislang nicht. Das ist ein handfestes Hindernis, das die Übertragung von Laborergebnissen in klinische Anwendungen verzögert.

Die Übersichtsarbeit betont auch den wechselseitigen Charakter des Problems: Entzündung beschleunigt Seneszenz, und Seneszenz verstärkt Entzündung. Dadurch lässt sich bei einem einzelnen Patienten kaum bestimmen, welcher Prozess den Ausgangspunkt bildet. Die Autoren betrachten Seneszenz vorerst als den am besten messbaren und damit nützlichsten Ansatzpunkt für weitere Forschung.

Für die Longevity-Forschung ist das ein wesentliches Puzzlestück. Solange die Messung so schwierig bleibt, ist unklar, wie groß der Beitrag seneszenter Zellen beim menschlichen Altern tatsächlich ist. Die Autoren hoffen, dass bessere Biomarker diese Lücke irgendwann schließen.

Zum Originalartikel

Suchbegriffe zum Weiterlesen: Seneszenz-Biomarker, SASP Inflammaging, Senolytika klinische Studie

Was sagt die Evidenz dazu?
Welche Rolle spielen Entzündungen beim Altern von Zellen?
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