Seneszente Zellen treiben Blutgefäßwachstum bei Darmkrebs voran
Bei Darmkrebs helfen seneszente Zellen im umliegenden Gewebe den Tumoren dabei, neue Blutgefäße zu bilden. Das macht bestimmte Tumoren schwerer behandelbar als bisher angenommen.
Wenn Zellen seneszent werden, stellen sie ihre Teilung ein, verschwinden aber nicht. Stattdessen schütten sie ein Gemisch aus Proteinen und Signalmolekülen aus, das die zelluläre Umgebung verändert. Dieses Phänomen wird als seneszenzassoziierter sekretorischer Phänotyp (SASP) bezeichnet. Forschende haben in der Fachzeitschrift Aging Cell einen Übersichtsartikel veröffentlicht, der die Rolle des SASP bei kolitis-assoziiertem Krebs (CAC) untersucht – einer Form von Darmkrebs, die sich aus chronischer Darmentzündung entwickelt.
Mehr Blutgefäße, schlechteres Ansprechen auf Standardtherapien
SASP fördert die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese). Diese Gefäße versorgen wachsende Tumoren mit Sauerstoff und Nährstoffen. Standardtherapien zielen auf einen Wachstumsfaktor namens VEGF ab, um diesen Prozess zu blockieren. Doch die Forschenden zeigen, dass das Blutgefäßwachstum bei CAC von einem breiten und redundanten Faktorenspektrum angetrieben wird, das durch Entzündung und Gewebeschäden aufrechterhalten wird. VEGF-gerichtete Behandlungen könnten daher bei dieser Krebsform weniger wirksam sein.
Die Studie grenzt CAC zudem vom sporadischen kolorektalen Karzinom (CRC) ab. Bei CRC verläuft die Entstehung über einen anderen Weg, bei dem bestimmte Genmutationen später auftreten. Bei CAC hingegen treten Mutationen im Tumorsuppressorgen TP53 früh auf, während weitere krebsrelevante Mutationen erst später folgen. Diese Abfolge spiegelt den Druck wider, den chronische Entzündungen auf das Darmgewebe ausüben.
Alterung erhöht das Risiko über mehrere Mechanismen
Das Altern trägt auf verschiedene Weisen zu diesem Prozess bei. Mit zunehmendem Alter werden immer mehr Zellen im Darmgewebe seneszent. Zudem verändert die Alterung das Gewebemilieu im Darm und erleichtert so die Entstehung von bösartigem Wachstum. SASP verstärkt sowohl die Entzündungsreaktion als auch die Bildung von Bindegewebe (Fibrose) – zwei Prozesse, die unabhängig voneinander das Krebsrisiko erhöhen.
Es handelt sich um eine Übersichtsarbeit: Die Autoren diskutieren vorhandene Fachliteratur und formulieren Hypothesen. Die Ergebnisse liefern einen Rahmen für weitere Forschung zu Senolytika (Wirkstoffe, die seneszente Zellen abbauen) als mögliche Ergänzung der Darmkrebstherapie – die Forschenden selbst betrachten dies jedoch vorerst als hypothetisch.