Thalion will Hunderte Millionen für die Alternsbiologie einwerben
Wagniskapital jagt klinische Meilensteine, staatliche Förderung schwindet. Eine neue gemeinnützige Organisation namens Thalion Initiative will diese Lücke mit einem ungewöhnlich ambitionierten Fundraising-Ziel schließen.
Die Thalion Initiative ist eine neu gegründete gemeinnützige Organisation, die sich der Grundlagenforschung zur Biologie des Alterns widmet. Sie bewegt sich in einem Bereich, dem Investoren kaum Aufmerksamkeit schenken: der mechanistischen Grundlagenwissenschaft, bei der es darum geht, biologisch zu verstehen, wie Altern funktioniert – weit bevor Therapien entwickelt oder kommerzialisiert werden.
Warum diese Finanzierungslücke besteht
Investmentfonds orientieren sich an klinischen Meilensteinen. Die staatliche Förderung für Grundlagenforschung steht in vielen Ländern unter Druck. Das hinterlässt eine Lücke für Projekte, die wissenschaftlich bedeutsam, kommerziell aber noch weit entfernt sind. Die Gründer von Thalion wollen diese Lücke durch philanthropische Mittel schließen – doch die anvisierten Summen sind für eine gemeinnützige Organisation in diesem Bereich ungewöhnlich hoch: Hunderte Millionen Dollar.
Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Biomedizinische gemeinnützige Organisationen sammeln selten derartige Summen ein, insbesondere für reine Grundlagenforschung ohne kurzfristige medizinische Anwendung. Die Organisation räumt das offen ein und beschreibt den Weg als alles andere als geradlinig.
Warum Grundlagenwissenschaft nach wie vor entscheidend ist
Die Logik hinter Thalion spiegelt eine in der Alternsforschung weit verbreitete Überzeugung wider: Altern lässt sich nicht wirksam behandeln, ohne zunächst zu verstehen, wie es funktioniert. Das erfordert Forschung, die innerhalb von fünf Jahren voraussichtlich kein marktreifes Produkt hervorbringen wird, aber das Fundament für alles Weitere legt. Dazu gehören Arbeiten zu Mechanismen der zellulären Seneszenz, epigenetischen Veränderungen während des Alterns und dem schrittweisen Nachlassen der Immunfunktion im Laufe der Zeit.
Ob es Thalion gelingen wird, ausreichend Mittel einzuwerben, bleibt abzuwarten. Die Gründung der Organisation zeigt jedoch ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass die derzeitige Förderungslandschaft zu wenig Raum für Langzeithorizontforschung lässt.