Tierversuche auf den Menschen zu übertragen ist schwieriger zu messen als angenommen
Vielversprechende Ergebnisse aus Tierversuchen, die beim Menschen scheitern: Das ist eine der größten Frustrationen in der biomedizinischen Forschung. Doch wie lässt sich eigentlich messen, ob eine solche Übertragung gelungen ist? Es zeigt sich: weit schwieriger als bisher angenommen.
Forschende haben eine Simulationsstudie durchgeführt, um neun weit verbreitete Kennzahlen zur Bewertung des Übertragungserfolgs zu untersuchen. Die Studie, veröffentlicht in eLife, nahm Parameter aus einer Meta-Analyse zur Aminosäure-Supplementierung bei Schwangeren als Ausgangspunkt. Insgesamt wurden 648 Szenarien simuliert, bei denen Effektgrößen, Heterogenität zwischen Studien und Stichprobenumfänge variiert wurden.
Die Ergebnisse sind ernüchternd. Keine einzige Methode schnitt unter allen Bedingungen durchgängig gut ab. Die meisten Kennzahlen hielten falsch-positive Raten nur dann ausreichend unter Kontrolle, wenn die Variabilität zwischen den Studien gering war. Mit zunehmender Heterogenität schlichen sich zu viele falsch-positive Schlussfolgerungen ein. Eine auf Meta-Analysen basierende Kennzahl signalisierte Übertragungserfolg zu voreilig, selbst wenn belastbare Belege nur von einer der beiden Spezies stammten.
Kleine Tierstudien untergraben die Übertragungsaussagekraft
Ein zweiter Befund ist für die Langlebigkeitsforschung unmittelbar relevant. Die sogenannte Übertragungsaussagekraft ("translation power"), also die Wahrscheinlichkeit eines echten positiven Ergebnisses, wurde stark durch das schwächste Glied begrenzt. Eine kleine, statistisch unterdimensionierte Tierstudie zog die gesamte Kette nach unten, selbst wenn die Humanstudie gut konzipiert war. Das erklärt zum Teil, warum Langlebigkeitsinterventionen, die bei Mäusen wirken, beim Menschen so selten erfolgreich sind.
Die Forschenden empfehlen, mehrere Kennzahlen gleichzeitig zu verwenden und die Annahmen hinter jeder einzelnen sorgfältig zu prüfen. Der skeptische p-Wert, der den gesamten Fehler erster Art kontrolliert, sowie die gewichtete Variante der Methode nach Edgington schnitten am konsistentesten ab, sind aber auch nicht universell anwendbar.
Ein methodisches Problem mit praktischen Folgen
Das mag abstrakt klingen, doch die Konsequenzen sind handfest. Wenn sich nicht zuverlässig messen lässt, ob Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen übertragbar sind, investieren Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen in klinische Studien, die zum Scheitern verurteilt sind. Für Langlebigkeitsinterventionen, bei denen Belege aus Humanstudien ohnehin rar sind, ist das ein dringendes Problem, das mehr Aufmerksamkeit verdient.
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Mögliche Suchbegriffe:
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