Tumoren kapern Stammzell-Signale im umliegenden Gewebe
Tumoren schädigen das umliegende Gewebe – das ist seit Langem bekannt. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass sie auch aktiv die Erneuerung benachbarter gesunder Stammzellen blockieren, indem sie ein Signal imitieren, das normalerweise nur die Stammzellnische aussendet.
Stammzellen sind auf eine spezialisierte lokale Umgebung angewiesen, die sogenannte Stammzellnische. Diese Nische sendet Signale aus, die bestimmen, wann sich eine Stammzelle selbst erneuert und wann sie zu einer spezialisierten Zelle ausreift. Dieses Gleichgewicht ist für die Gewebehomöostase unerlässlich.
In einer Studie mit Taufliegen (Drosophila) stellten die Forscher fest, dass Tumoren in den Eierstöcken ein Signalprotein aus der BMP-Familie produzieren, das normalerweise ausschließlich aus der Nische stammt. Indem sie dieses Signal nachahmen, halten die Tumoren benachbarte Stammzellen in einem nicht-differenzierenden Zustand. Die Stammzellen reifen nicht mehr zu funktionsfähigen Zellen heran.
Was das über indirekten Tumorschaden verrät
Dieser Mechanismus erklärt zweierlei: Erstens, wie Tumoren indirekten Schaden anrichten – nicht nur durch Raumverdrängung, sondern indem sie den normalen Erneuerungszyklus gesunden Gewebes stören. Zweitens liefert er eine mögliche Erklärung dafür, warum das tumorumgebende Gewebe manchmal schneller altert oder sich langsamer erholt.
Für die Altersforschung ist das relevant, weil ähnliche Störungen der Stammzellnische auch im normalen Alterungsprozess auftreten – ganz ohne Krebserkrankung. Wenn Tumoren diesen Mechanismus gezielt aktivieren, könnte das auch Aufschluss darüber geben, warum die Gewebeerneuerung im gewöhnlichen Alterungsprozess versagt.
Von der Fliege zum Säugetier
Taufliegen sind ein klassischer Modellorganismus der Zellbiologie. Viele Mechanismen, die erstmals in Fliegen beschrieben wurden, konnten später auch in Säugetieren bestätigt werden. Das verleiht diesem Befund eine potenziell weitreichende Bedeutung.
Die nächste offene Frage ist, ob Tumoren in Säugetieren dieselbe BMP-basierte Strategie einsetzen, um benachbarte Stammzellen zu unterdrücken. Falls ja, könnten sich therapeutische Ansätze entwickeln lassen, die das umliegende Gewebe schützen – parallel zur eigentlichen Tumorbehandlung.
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