Viel Fernsehen in der Lebensmitte lässt das Gehirn schrumpfen
Wer in der Lebensmitte viel fernsieht, riskiert offenbar Veränderungen im Gehirn, die erst Jahrzehnte später sichtbar werden. Überraschenderweise scheint langes Sitzen an sich nicht der entscheidende Faktor zu sein: Menschen, die viele Stunden sitzend geistig anspruchsvolle Arbeit verrichten, weisen gesündere Gehirnmuster auf.
In einer Studie mit rund 1.700 Erwachsenen zeigte sich, dass Menschen, die in der Lebensmitte häufig fernsehen, im späteren Leben kleinere Gehirnregionen aufweisen. Die betroffenen Areale sind an Gedächtnis, Entscheidungsfindung und visueller Verarbeitung beteiligt. Zudem fanden sich bei diesen Teilnehmenden mehr Anzeichen von Schäden in der weißen Substanz, dem Verbindungsnetzwerk zwischen den Hirnregionen.
Die Forschenden unterschieden zwischen passivem und aktivem Sitzen. Wer viele Stunden mit geistig anspruchsvollen Tätigkeiten verbrachte, etwa Büroarbeit oder Lernen, zeigte in dieser Studie keine vergleichbaren Veränderungen. Das deutet darauf hin, dass kognitive Aktivität, also das Maß, in dem das Gehirn aktiv gefordert wird, einen schützenden Effekt haben könnte, während der passive Konsum von Bildschirminhalten diesen nicht bietet.
Warum passiver Bildschirmkonsum sich vom bloßen Sitzen unterscheidet
Diese Unterscheidung ist für die öffentliche Debatte über sitzende Lebensweise von Bedeutung. Warnungen vor „zu viel Sitzen" werden mitunter sehr pauschal formuliert, doch die vorliegenden Ergebnisse liefern mehr Differenzierung. Nicht jedes Sitzen ist gleich. Fernsehen verbindet körperliche Passivität mit einem kontinuierlichen Strom äußerer Reize, was das Gehirn möglicherweise anders beeinflusst als konzentrierte kognitive Arbeit.
Die Studie ist beobachtender Natur und kann daher keinen Kausalzusammenhang zwischen Fernsehen und Gehirnveränderungen belegen. Menschen mit schwächerer kognitiver Leistungsfähigkeit neigen möglicherweise ohnehin dazu, passivere Freizeitbeschäftigungen zu wählen. Dennoch ist der Zusammenhang bemerkenswert und konsistent genug, um ernst genommen zu werden.
Was das für gesundes Altern bedeutet
Aus der Perspektive der Langlebigkeit scheinen in der Lebensmitte geprägte Gewohnheiten das Gehirn im Alter zu formen. Das macht das mittlere Lebensalter zu einem wichtigen Zeitfenster für die Prävention. Kognitive Aktivität, soziales Engagement und körperliche Bewegung gelten seit Langem als förderlich für ein gesundes Altern des Gehirns. Diese Studie ergänzt die Datenlage um eine konkrete Warnung vor einer bestimmten Form passiver Freizeitgestaltung.
Das ist kein Aufruf, den Fernseher zu entsorgen. Doch die Mischung der Tätigkeiten über den Tag hinweg scheint für die langfristige Gehirngesundheit eine Rolle zu spielen.
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