Wahlstress begünstigt Herzinfarkte und Herzrhythmusstörungen
Wahlen sind nervenaufreibend. Für Menschen mit Herzerkrankungen können sie sogar gefährlich werden. Zwei Studien zeigen, dass rund um Wahltage die Rate an Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkten messbar ansteigt.
Forschende der Northwestern University werteten Daten von Personen aus, denen bereits ein kardialer Rhythmusmonitor implantiert worden war. Sie stellten fest, dass in den sechs Wochen rund um die US-Präsidentschaftswahl 2016 die Rate an Arrhythmien – also Herzrhythmusstörungen – um 77 Prozent höher lag als in einem Vergleichszeitraum. Das Muster zeigte sich über Altersgruppen, Geschlecht, Ethnizität und Vorerkrankungen hinweg und war zwischen Demokraten und Republikanern vergleichbar. Es handelte sich um eine retrospektive Beobachtungsstudie, durchgeführt in North Carolina.
Eine zweite Studie von Kaiser Permanente Southern California untersuchte Krankenhausaufnahmen wegen akuter kardiovaskulärer Ereignisse nach der Wahl 2020. Die Forschenden stellten in den fünf Tagen unmittelbar nach dem Wahltag eine deutlich erhöhte Herzinfarktrate fest – verglichen mit demselben Fünf-Tages-Fenster zwei Wochen zuvor. Das galt für Menschen mit und ohne Vorgeschichte einer Herzerkrankung.
Wie Stress das Herz belastet
Keine der beiden Studien konnte Ursache und Wirkung belegen; nachgewiesen wurde lediglich ein Zusammenhang zwischen Gesundheitsereignissen und dem Erleben von Wahlkampf. Die Forschenden erläutern jedoch die Mechanismen, über die Stress das Herz beeinflussen kann. Bei akutem Stress steigt der Adrenalinspiegel, das sympathische Nervensystem wird aktiviert, und der beruhigende Einfluss des Vagusnervs nimmt ab. Dieses Zusammenspiel kann die elektrische Aktivität des Herzens stören und bei Menschen, die ohnehin dazu neigen, unregelmäßige Rhythmen auslösen. Stresshormone wie Cortisol sowie stressbedingte Verhaltensweisen – Schlafmangel, ausgelassene Medikamenteneinnahme, mehr Fett und Salz in der Ernährung, erhöhter Alkoholkonsum – dürften ebenfalls eine Rolle spielen.
Wer ist besonders gefährdet?
Menschen mit bekannten Herzerkrankungen sind am stärksten betroffen. Die Forschenden weisen jedoch darauf hin, dass fast die Hälfte aller US-amerikanischen Erwachsenen irgendeine Form von Herz-Kreislauf-Erkrankung hat – einschließlich Bluthochdruck. Chronischer Stress gilt zudem als etablierter Risikofaktor für Herzerkrankungen.
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