Warum Fettgewebe schneller altert als fast jedes andere Gewebe – und welches Enzym diesen Prozess bremst
Fettgewebe altert schneller als die meisten anderen Körperregionen. Wissenschaftler haben nun das Enzym identifiziert, das diesen Prozess in Schach hält – und was schiefläuft, wenn es fehlt.
Eine in Aging Cell veröffentlichte Studie untersucht ein Enzym namens Pck1, das eine zentrale Rolle im Stoffwechsel von Fettzellen spielt. Pck1 ist vor allem für seine Funktion bei der Glukoneogenese bekannt – jenem Prozess, bei dem Leber und einige andere Gewebe Glukose aus Nicht-Zucker-Quellen herstellen. Die Forschungsarbeit legt jedoch eine zweite, bislang wenig beachtete Funktion offen: Im Fettgewebe unterdrückt Pck1 die Entstehung seneszenter Zellen. Diese sogenannten Zombiezellen stellen ihre normale Funktion ein, sterben aber nicht ab und häufen sich im Fettgewebe mit zunehmendem Alter besonders rasch an.
Wurde Pck1 in Fettzellen von Mausmodellen abgeschaltet, beschleunigte sich die Bildung seneszenter Zellen deutlich. Die Zellen stellten ihre normalen Funktionen früher ein, entzündeten sich und begannen, Substanzen auszuschütten, die das umliegende Gewebe schädigten. Auch die Insulinsensitivität sank – ein frühes Anzeichen jener Stoffwechselstörung, die beim Menschen zu Typ-2-Diabetes und verwandten Erkrankungen führt. Das Fazit der Forscher: Pck1 ist nicht bloß ein Stoffwechselenzym, sondern auch ein Wächter gegen die vorzeitige Alterung des Fettgewebes.
Fett als unterschätztes Organ in der Alternsforschung
Fettgewebe wird in der Alternsforschung häufig unterschätzt. Dennoch bezeichnen die Studienautoren es als „eines der am stärksten gefährdeten Gewebe" des Körpers im Alter – und das aus gutem Grund. Fett ist kein passiver Energiespeicher, sondern ein aktives endokrines Organ, das Hormone und Signalmoleküle ausschüttet, die den gesamten Organismus beeinflussen. Gealtertes Fettgewebe produziert mehr entzündungsfördernde Substanzen und weniger schützende Hormone wie Adiponektin. Diese Verschiebung trägt zu jener unterschwelligen chronischen Entzündung bei – mitunter als „Inflammaging" bezeichnet –, die zunehmend mit einer Vielzahl altersbedingter Erkrankungen in Verbindung gebracht wird.
Für die Longevity-Forschung besonders aufschlussreich ist der mögliche Zusammenhang zwischen Stoffwechselaktivität und zellulärer Alterung. Die Studie legt nahe, dass der Stoffwechselrückgang, den viele Menschen im Alter erleben, nicht nur eine Folge des Alterns ist, sondern auch eine Ursache: Eine verringerte Pck1-Aktivität in Fettzellen könnte einen sich selbst verstärkenden Kreislauf anstoßen. Geringere Stoffwechselaktivität erzeugt mehr seneszente Zellen, die ihrerseits den Stoffwechsel weiter beeinträchtigen.
Was diese Forschung nicht beantwortet
Es liegt nahe, vorschnell zu schlussfolgern, dass eine Aktivierung von Pck1 als Longevity-Therapie taugen könnte. Die Studie wurde jedoch an Mäusen durchgeführt, und eine Übertragbarkeit auf den Menschen ist keineswegs gesichert. Zudem ist Pck1 gleichzeitig an mehreren Prozessen beteiligt – eine gezielte Aktivierung ohne unerwünschte Nebeneffekte andernorts im Stoffwechsel ist alles andere als trivial. Die Studie identifiziert einen Mechanismus, keine Lösung. Ob dieser Signalweg therapeutisch nutzbar ist, bleibt eine Frage, deren Beantwortung noch Jahre in Anspruch nehmen wird.