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Forschung · Zellen & DNA

Was uns Fledermäuse über ein längeres Leben lehren können

Redaktion LongevityWatch · 7. Juni 2026 · 2 min · English

Fledermäuse erreichen für ihre Körpergröße ein erstaunlich hohes Alter. Manche Arten werden dreißig bis vierzig Jahre alt, während ähnlich große Säugetiere bereits nach wenigen Jahren sterben. Was steckt dahinter?

Die kurze Antwort hat mit extremem metabolischen Stress zu tun. Fliegen verbraucht enorme Mengen an Energie und erzeugt dabei große Mengen schädlicher Nebenprodukte in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Um dies zu überstehen, haben Fledermäuse im Laufe von Millionen Jahren hocheffiziente zelluläre Abwehrmechanismen entwickelt. Forschende untersuchen diese Mechanismen nun auf mögliche Anwendungen beim Menschen.

Fledermäuse tragen viele Viren in sich, die für andere Tiere tödlich wären, erkranken selbst jedoch kaum. Das hängt damit zusammen, wie ihr Immunsystem mit Entzündungen umgeht. Chronische, unterschwellige Entzündungsprozesse gelten als zentraler Treiber des menschlichen Alterns – ein Phänomen, das häufig als Inflammaging bezeichnet wird. Fledermäuse scheinen diesen Prozess stark zu unterdrücken. Die Forschenden beschreiben außerdem, wie Fledermäuse DNA-Schäden effizienter beheben als kurzlebige Säugetiere, mit Reparaturmechanismen, die offenbar weniger fehleranfällig sind.

Mitochondriale Effizienz als Schlüssel

Die Hypothese lautet: Der hohe Energiebedarf des Fliegens zwang Fledermäuse dazu, Mitochondrien zu entwickeln, die weniger reaktive Sauerstoffspezies (freie Radikale) produzieren, welche Zellen im Laufe der Zeit schädigen. Genau diese Prozesse stehen beim Menschen in Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerativen Leiden und anderen altersbedingten Erkrankungen.

Vergleichsstudien mit Nacktmullen hatten bereits gezeigt, dass extreme Langlebigkeit in der Natur auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden kann. Fledermäuse eröffnen dabei eine eigene Perspektive. Bei Nacktmullen spielt hochmolekulare Hyaluronsäure eine Schlüsselrolle bei der Tumorresistenz. Bei Fledermäusen scheinen die Vorteile eher in der Virustoleranz und der mitochondrialen Effizienz zu liegen.

Was das für die Humanmedizin bedeutet

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen, die spezifischen Gene und Proteine zu identifizieren, die für die außergewöhnliche Robustheit von Fledermäusen verantwortlich sind. Diese Erkenntnisse könnten langfristig auf neue Angriffspunkte für Medikamente oder Interventionen hinweisen, die Gewebereparatur und Entzündungsregulation beim Menschen verbessern. Die Natur führt dieses Experiment seit Millionen von Jahren durch – und die Forschung beginnt nun, die Ergebnisse zu lesen.

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