Welche Nahrungsergänzungsmittel älteren Menschen wirklich helfen
Nahrungsergänzungsmittel werden älteren Menschen als schneller Weg zu besserer Gesundheit vermarktet. Doch wer keinen konkreten Mangel hat, profitiert von den meisten kaum. Zwei klare Ausnahmen gibt es dennoch.
Eine Auswertung der verfügbaren Evidenz zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln im Alter kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Für Menschen ohne zugrundeliegenden Mangel sind die meisten Produkte wirkungslos. Die Forschenden benennen zwei eindeutige Ausnahmen: Vitamin B12 und Vitamin D. Beide sind bei älteren Erwachsenen häufig in zu geringer Konzentration vorhanden, und eine Supplementierung bei nachgewiesenem Mangel erzielt messbare gesundheitliche Vorteile. Ohne Mangel ist der Nutzen dagegen minimal oder gar nicht vorhanden.
Vitamin B12 wird mit zunehmendem Alter schlechter aufgenommen, weil der Magen weniger Säure produziert. Ein Mangel ist bei älteren Menschen daher verbreitet – besonders bei jenen, die kaum tierische Produkte essen. Vitamin D nimmt eine Sonderstellung ein: Die Haut bildet es unter Sonnenlichteinwirkung, doch ältere Menschen halten sich häufig weniger im Freien auf, und die Syntheseleistung der Haut nimmt biologisch mit dem Alter ab.
Protein als unterschätzter Nährstoff
Die Analyse identifiziert Protein als wahrscheinlich den am stärksten vernachlässigten Nährstoff im Alter. Im Laufe des Alterungsprozesses geht Muskelmasse verloren – ein Vorgang, der als Sarkopenie bezeichnet wird. Eine ausreichende Proteinzufuhr kann diesen Abbau verlangsamen. Dennoch nehmen viele ältere Menschen zu wenig Protein zu sich, teils weil der Appetit nachlässt, teils weil ihre Ernährungsgewohnheiten aus einer Zeit stammen, in der dieses Wissen noch nicht weit verbreitet war.
Viel hilft nicht viel
Die Analyse weist auch auf die Risiken hin. Einige Nahrungsergänzungsmittel können in hohen Dosen schädlich sein oder mit Medikamenten wechselwirken, die ältere Menschen häufig einnehmen, etwa Blutverdünner. Vitamin K in Kombination mit Antikoagulanzien ist ein klassisches Beispiel. Das Fazit ist pragmatisch: Nahrungsergänzungsmittel sind medizinische Werkzeuge, keine Vorsorgemittel. Wer sich ausgewogen ernährt und keinen Mangel aufweist, hat keinen Nutzen von ihrer Einnahme.