Wie das Altern des Darmmikrobioms altersbedingte Krankheiten begünstigt
Die Zusammensetzung der Darmbakterien verändert sich mit zunehmendem Alter erheblich. Das hat Folgen für den gesamten Körper – vom Immunsystem bis zum Gehirn.
Im Darm leben Billionen von Bakterien. Diese Gemeinschaft, das Darmmikrobiom, ist kein stabiles System. Mit dem Altern verschwinden nützliche Bakterien, während schädliche Arten zunehmen. Der Übersichtsartikel fasst zusammen, was die Wissenschaft über diesen Alterungsprozess weiß und welche Maßnahmen die Zusammensetzung des Mikrobioms verbessern können.
Was sich mit dem Alter verändert
Mit zunehmendem Alter nimmt die Vielfalt des Darmmikrobioms ab. Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren produzieren – Substanzen, die Darmentzündungen dämpfen und die Darmwand schützen –, werden seltener. Gleichzeitig vermehren sich entzündungsfördernde Bakterien. Die Darmwand wird durchlässiger, sodass bakterielle Bestandteile in die Blutbahn gelangen können. Das verstärkt die schwelende, körperweite Entzündung, die das Altern begleitet und als Inflammaging bezeichnet wird.
Studien an kurzlebigen Tieren deuten darauf hin, dass die Zusammensetzung des Darmmikrobioms das Tempo des Alterns mindestens ebenso stark beeinflusst wie Lebensstilfaktoren etwa körperliche Aktivität. Beim Menschen sind ursächliche Zusammenhänge noch nicht in vollem Umfang belegt, doch die Befunde zeigen in dieselbe Richtung.
Was man tun kann
Der bekannteste Ansatz ist die Ernährung. Eine Kost mit viel Ballaststoffen, fermentierten Lebensmitteln und einer großen Pflanzenvielfalt stärkt das Darmmikrobiom. Probiotika zeigen einen gewissen Nutzen, die Wirkung ist jedoch begrenzt und lässt nach, sobald man sie absetzt. Ohne dauerhafte Einnahme verändern sie die Zusammensetzung des Mikrobioms nicht nachhaltig.
Interessanter sind Einmal-Eingriffe. Eine Stuhltransplantation von einem jungen Spender auf einen älteren Empfänger – im Wesentlichen ein Neustart der Darmflora – verbesserte in Tierstudien die Gesundheit und verlängerte die Lebensspanne. Klinische Studien am Menschen laufen. Die Herausforderung besteht darin, dass die Ergebnisse schwer vorherzusagen sind. Forscher arbeiten deshalb an künstlich zusammengesetzten Mikrobiom-Mischungen, die zuverlässigere Resultate liefern sollen als eine Spendertransplantation. Auch eine Immunisierung mit Flagellin, einem Bestandteil bakterieller Geißeln, löst bei Mäusen eine dauerhafte Immunantwort gegen unerwünschte Bakterienarten aus.
Alle genannten Ansätze sind vielversprechend, für den breiten klinischen Einsatz jedoch noch nicht reif. Bei dem zugrundeliegenden Text handelt es sich um einen Übersichtsartikel, der vorhandene Studien zusammenfasst; ob die beschriebenen Zusammenhänge beim Menschen ursächlich sind, muss die weitere Forschung zeigen.
Want to research this yourself?
Search for example:
- short-chain fatty acids gut microbiome aging | fecal transplantation rejuvenation | inflammaging intestinal permeability