Wie eine stärkere CAR-T-Zell-Therapie endlich solide Tumoren bezwingen könnte
Die CAR-T-Zell-Therapie hat bei Blutkrebs Leben gerettet. Bei soliden Tumoren -- den häufigsten Krebsformen -- hat sie jedoch kaum Wirkung gezeigt. Ein neuer Ansatz, der auf ein Protein abzielt, das auch auf seneszenten Zellen vorkommt, könnte einen Weg eröffnen.
Die CAR-T-Zell-Therapie klingt nach Science-Fiction, ist aber längst Realität: T-Zellen werden aus dem Blut eines Patienten entnommen, genetisch so umprogrammiert, dass sie ein bestimmtes Ziel erkennen, und anschließend wieder injiziert. Bei Leukämie und anderen Blutkrebserkrankungen können die Ergebnisse spektakulär sein. Bei soliden Tumoren -- Brust-, Lungen- oder Darmkrebs -- scheitert die Therapie jedoch immer wieder. Der Grund: Tumoren umgeben sich mit einem feindlichen Milieu, das T-Zellen erschöpft und ausgrenzt, bevor sie überhaupt Schaden anrichten können.
Forschende haben nun eine Strategie beschrieben, die dieses Problem teilweise umgeht: Sie richten CAR-T-Zellen auf uPAR aus, ein Protein auf der Oberfläche seneszenter Zellen -- also Zellen, die sich nicht mehr teilen können, aber auch keinen sauberen Zelltod sterben. Diese sogenannten „Zombie-Zellen" häufen sich in alterndem Gewebe und in der Umgebung von Tumoren an, wo sie einen Schutzwall bilden, der das Immunsystem untergräbt. Indem die Therapie diese Zellen angreift, nimmt sie gleichzeitig den Tumor und seine Schutzschicht ins Visier.
Zwei Ziele auf einmal treffen
Was diesen Ansatz für die Langlebigkeitsforschung besonders interessant macht, ist seine doppelte Wirkungsweise. uPAR wird seit Langem als Zielstruktur für die Beseitigung seneszenter Zellen aus alterndem Gewebe untersucht -- nicht zur Krebsbehandlung, sondern um den Alterungsprozess selbst zu verlangsamen. In diesem Zusammenhang sind CAR-T-Zell-Therapien für einen breiten Einsatz schlicht zu teuer und zu komplex. In der Onkologie hingegen sind sie bereits im klinischen Einsatz. Die neue Studie legt nahe, dass eine auf uPAR ausgerichtete Therapie bei soliden Tumoren besser wirkt als frühere Ansätze: Die Zellen dringen tiefer in den Tumor ein und bleiben länger aktiv.
Die Ergebnisse aus Tierstudien sind vielversprechend, doch klinische Studien am Menschen befinden sich noch in einem frühen Stadium. Hinzu kommt, dass die CAR-T-Zell-Therapie teuer ist -- Behandlungen können leicht in den sechsstelligen Euro-Bereich gehen -- was den Zugang erheblich einschränkt. Das ist kein technisches, sondern ein strukturelles wirtschaftliches Problem, das von der eigentlichen Wirksamkeit der Therapie völlig unabhängig ist.
Altern und Krebs sind eng miteinander verknüpft
Die Studie verdeutlicht auch einen übergeordneten Trend: Altern und Krebs werden zunehmend als miteinander verbundene Prozesse untersucht. Seneszente Zellen sind keine bloßen unerwünschten Nebenprodukte des Alterns; sie spielen eine aktive Rolle beim Antreiben des Tumorwachstums. Therapien, die beide Probleme gleichzeitig angehen -- sogenannte Senolytika, also Wirkstoffe, die seneszente Zellen beseitigen -- befinden sich in voller Entwicklung. Ob uPAR-gerichtete CAR-T-Zellen einen festen Platz in diesem Werkzeugkasten erhalten werden, hängt von den Ergebnissen ab, die klinische Studien in den kommenden Jahren liefern.