longevitywatch

Axondegeneration bei Nervenverletzungen: Eine vermeintliche Bremse entpuppt sich als keine

Redaktion LongevityWatch · 28. März 2026 · 1 min · English

Bei vielen neurodegenerativen Erkrankungen sterben Axone -- die langen Fortsätze, über die Nervenzellen Signale übertragen -- ab, bevor die Zellkörper selbst zugrunde gehen. Wissenschaftler gingen davon aus, dass Death Receptor 6, ein Protein auf der Zelloberfläche, diesen Prozess reguliert. Neue Experimente legen nahe, dass das wahrscheinlich falsch ist. Ein vermeintliches therapeutisches Ziel erweist sich als keines.

Axondegeneration ist ein Kennzeichen von Erkrankungen wie ALS, Multipler Sklerose, Alzheimer und peripheren Neuropathien. Der Verlust von Axonen unterbricht neuronale Verbindungen und geht dem Tod der Nervenzelle selbst typischerweise voraus -- damit ist er ein früher und therapeutisch relevanter Prozess. Die Wallersche Degeneration, bei der Axone nach einer Durchtrennung des Nervs absterben, ist das am häufigsten verwendete Modell zur Untersuchung dieses Mechanismus.

Eine Hypothese, die sich nicht bestätigte

Death Receptor 6, auch bekannt als DR6 oder TNFRSF21, war auf der Grundlage früherer Forschungsergebnisse in die Liste der möglichen Regulatoren der Axondegeneration aufgenommen worden. Diese Arbeiten hatten darauf hingedeutet, dass er Signalwege aktiviert, die den axonalen Abbau fördern. Das machte ihn zu einem attraktiven therapeutischen Angriffspunkt: Wer den Rezeptor blockiert, so die Überlegung, könnte den Axonverlust bei neurodegenerativen Erkrankungen verlangsamen.

Die neue, in eLife veröffentlichte Studie hat diese Hypothese anhand des Modells der Wallerschen Degeneration direkt geprüft. Die Forschenden fanden keine Hinweise darauf, dass DR6 die Axondegeneration reguliert oder das Verhalten von Schwann-Zellen -- den Stützzellen des peripheren Nervensystems -- nach einer Nervenverletzung beeinflusst. In diesem Zusammenhang scheint der Rezeptor schlicht keine relevante Rolle zu spielen.

Für alle, die auf einen neuen Ansatzpunkt für neuroprotektive Therapien gehofft hatten, ist das ein enttäuschendes Ergebnis. Doch negative Befunde haben in der Wissenschaft einen echten Wert: Sie verhindern, dass Forschungsaufwand und Investitionen weiter in Hypothesen fließen, die sich nicht halten lassen. Der Mechanismus der Axondegeneration ist noch nicht vollständig verstanden, und DR6 ist nun schlicht von der Liste der Verdächtigen gestrichen. Die Suche geht weiter.

Originalartikel lesen

Was sagt die Evidenz dazu?
Schadet langjähriger Bewegungsmangel dem Gehirn?
Verwandte Forschung
06 Aug
Ein Oberflächenprotein auf Gehirn-Stützzellen verlangsamt die Alterung
06 Aug
Abtransport von Gehirn-Abfallstoffen über die Nase nimmt mit dem Alter ab
03 Aug
Schlafendes Gehirn verrät Demenzrisiko Jahrzehnte früh
Newsletter

Bleib auf dem Laufenden

Zweimal pro Woche die wichtigste Longevity-Forschung in deinem Postfach.