Kleine Proteine im Gehirn verschieben sich bei Alzheimer
Hunderte winziger Proteine, die in der äußeren Schicht des Gehirns aktiv sind, wurden erstmals systematisch beim Menschen kartiert. Einige regulieren direkt die Funktion von Gehirnzellen. Das zeigt ein neuer Atlas des menschlichen frontalen Kortex.
Proteine werden üblicherweise mit etablierten molekularbiologischen Analysemethoden nachgewiesen – doch sehr kleine Proteine, sogenannte Mikroproteine, liegen häufig unterhalb der Nachweisgrenze. Sie sind in DNA-Abschnitten kodiert, die lange als „nicht-kodierend" galten. Eine neue Studie, veröffentlicht in Nature Aging, kartiert sie nun erstmals systematisch im menschlichen Frontallappen.
Die Forschenden identifizierten 1.067 Mikroproteine mit hoher Konfidenz in Hirngewebe menschlicher Spenderinnen und Spender. Ein Teil dieser Mikroproteine zeigte bei Menschen mit Alzheimer eine veränderte Expression – unabhängig vom größeren, kanonischen Gen, aus dem sie stammen.
Mitochondrien als kritischer Punkt
Einer der auffälligsten Befunde betrifft ein Mikroprotein, das vom MKKS-Gen abgeleitet wird. Dieses kleine Protein scheint für eine normale Energieproduktion in den Mitochondrien – den Energieerzeugern der Zelle – von Mikroglia notwendig zu sein. Mikroglia sind die gewebsständigen Immunzellen des Gehirns und bekanntermaßen am Fortschreiten von Alzheimer beteiligt. Dass ein so kleines Protein den Energiestoffwechsel dieser Zellen direkt beeinflusst, war bislang unbekannt.
Was der Atlas bietet
Der Atlas liefert einen neuen Ausgangspunkt für die Untersuchung der bei Alzheimer beteiligten Mechanismen. Die meisten pharmakologischen Ansätze zielen auf gut charakterisierte Proteine wie Amyloid-beta oder Tau ab. Mikroproteine wurden weitgehend vernachlässigt – zum Teil deshalb, weil die zu ihrer Detektion benötigten Methoden noch in der Entwicklung sind. Die Forschenden betonen, dass es sich um einen deskriptiven Atlas handelt: Ob einzelne Mikroproteine als therapeutische Zielstrukturen taugen, muss in weiteren Experimenten geklärt werden. Aus Sicht der Longevity-Forschung ist bemerkenswert, dass Mikroproteine möglicherweise eine breitere Rolle beim Altern des Gehirns spielen – auch wenn das in dieser Studie nicht untersucht wurde.
Willst du selbst weitersuchen?
Suche zum Beispiel nach:
- microproteins brain tissue
- microglial mitochondrial metabolism Alzheimer
- non-coding genomic regions protein expression